Roland W. Peball und Klaus Schönberger
Anfang und Ende desDispositivs Kärnten/ KoroškaDeutungskämpfe undErinnerungspolitiken alsContentious Cultural Heritages
In Kärnten/ Koroška schwelt seit über hundert Jahren ein Konfliktum die Rechte und die Unterdrückung der Slowenisch sprechendenMinderheit in Südkärnten. Dieser Konflikt wird insbesondere inHinblick auf Erinnerung an den militärischen Grenzfindungskonflikt1918/19 und auf das im Abkommen von St. Germain vereinbartePlebiszit von 1920 geführt. Bei der Volksabstimmung ging esum die Frage, ob Südkärnten dem Rumpfstaat der ehemaligenHabsburgermonarchie, Deutsch- Österreich, oder dem neu geschaffenenSHS- Staat beitreten solle. Die Mehrheit der ansässigen Bevölkerung( sowohl der DeutschkärntnerInnen als auch der Slowenisch sprechendenMinderheit) entschied sich damals für Österreich. In den nachfolgendenJahrzehnten wurde von deutschnational gesinnten RepräsentantInnender deutschkärntner Mehrheit ein unerbittlicher Kampf gegen dieSprache und Rechte der Minderheit geführt. In diesem Beitrag versuchenwir, sowohl die Struktur des Konfliktes als auch seinen Wandeltheoretisch zu fassen. Wir analysieren ihn und die damit verbundenenErinnerungspolitiken als Contentious Cultural Heritages. Dabeidiskutieren wir, welchen analytischen Ertrag das von uns vorgeschlagenetheoretische Konzept des Dispositivs Kärnten/ Koroška für dieGenealogie sowie für den Wandel des Konflikts erbringen kann.
In Kärnten/ Koroška schwelt seit über hundert Jahren ein Konflikt umdie Rechte und die Unterdrückung der Slowenisch sprechenden Min-derheit in Südkärnten. In dieser Auseinandersetzung geht es insbeson-dere um die Erinnerung an den militärischen Grenzfindungskonflikt