Jahrgang 
126 (2023) / N.S. 77
Seite
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ÖZV, LXXVII/ 126, 2023, Heft 2

Anna Lucia Jocham: Konflikte um die Arbeitskraft.

Zur subjektiven Konfliktverarbeitung im Kontext von Biografie.Baden- Baden: Nomos 2022. 294 Seiten

Wie steht es um die Wahrnehmung der Legitimität unserer arbeits-weltlichen Ordnungen? Warum bleiben konkrete strukturelle Verän-derungen kapitalistischer Wirtschaftssysteme aus- trotz allgegenwär-tiger Kritik und manifester Konflikte? Anna Lucia Jocham untersuchtin ihrer Dissertation an der Bielefeld Graduate School in History andSociology damit zusammenhängende subjektive Anspruchserfül-lungen und-verletzungen. Anhand von Konfliktverarbeitungsmodiversucht sie, mehr über die Stabilität der Legitimität in der Arbeits-welt herauszufinden. Ihre Forschungsfrage lautet: Wie wirken sichsubjektiv wahrgenommene Konflikte um die Ware Arbeitskraft aufdie subjektive Dimension der Legitimität sozialer Ordnungen in derArbeitswelt aus?( S. 15-16).

Die Autorin stellt konkrete betriebliche Erfahrungen vonArbeitnehmer: innen ins Zentrum und kontextualisiert diese mithilfeeiner biografischen Perspektive. Ihre Studie reiht sich damit in dieFachgeschichte der soziologischen Arbeits- und Industrieforschungein. In der Tradition der subjektorientierten Arbeitssoziologie ver-ortet, sucht Jocham nach Verbindungen zwischen Struktur- undSubjektperspektive. Sie stellt eine Schnittstelle zwischen arbeits- undindustriesoziologischer Bewusstseinsforschung und arbeitssoziolo-gischer Subjekt- und Biografieforschung her, wobei sie die Vor- undNachteile beider Fachausrichtungen im Blick hat.

Als Grundlage ihrer Argumentation dient Jocham, in Anleh-nung an Karl Marx und Friedrich Engels, der historisch gewachseneWarencharakter von Arbeitskraft. Arbeitnehmer: innen bezeichnetdie Autorin als Arbeitskraft- Verkäufer: innen, Arbeitgeber: innen alsArbeitskraft- Käufer: innen. Die Arbeitskraft- Verkäufer: innen bie-ten ihre Ware Arbeitskraft am Arbeitsmarkt an und erwarten derenerfolgreichen Verkauf. Arbeit ist dabei stets mit den gegenwärtigenwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozessen verknüpft. DieAutorin nimmt daher Transformationen des kapitalistischen Systems insbesondere den Wandel vom Fordismus zum Post- Fordismusin den Blick. Sie schließt daraus, dass diese Transformationen auch