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ÖZV, LXXVII/ 126, 2023, Heft 2
Bericht über das 55. Internationale Keramik- Symposium desArbeitskreises für Keramikforschung„ Keramik als kulturelleManifestation. Die Donauländer und die großen StromsystemeEuropas. Produktion, Handel, Migration, Kulturaustausch.Tradition und Innovation“, Ungarisches Nationalmuseum,Budapest, 4. bis 9. September 2023
Keramiken sind nicht nur Gebrauchs- oder Dekorationsgegenstände,sondern auch Zeugen kultureller Beziehungen. Keramische Techno-logien und Objekte können durch Migration ihrer Hersteller* innenentstehen, sie können aber auch über Handelswege weitergegebenwerden. Da der Binnentransport entlang der Flüsse am billigstenund sichersten war, verbreiteten sich Waren und Innovationen vorallem entlang der größeren Flüsse. An manchen Orten haben sichTraditionen beharrlich gehalten, während an anderen ein intensiverkultureller Austausch zu Erneuerungen geführt hat. Diese kulturel-len Phänomene vom Mittelalter bis zur Neuzeit waren das zentraleThema der Tagung.
Das Ungarische Nationalmuseum war zum ersten Mal Veran-staltungsort des Internationalen Keramiksymposiums. Gábor Tomka,der stellvertretende Generaldirektor, erinnerte in seinen Begrüßungs-worten an das Verdienst des Arbeitskreises für Keramikforschung,auch in Zeiten der politischen Teilung Europas Kontakt in den Ostengehalten zu haben. Für den Vorstand des Arbeitskreises begrüßteHans Georg Stephan und lobte die Willkommenskultur im Gebäudedes Nationalmuseums, das„ bis heute die Imposanz der Monarchieausstrahlt". Er stellte fest, dass der Arbeitskreis und seine Mitgliederüberaltert sind und daher die Zahl der Teilnehmer* innen nicht so großsei wie erwartet. Es nahmen nur drei Personen aus Österreich, je eineaus Tschechien, aus Georgien und aus Israel, zwei aus der Schweiz,sechs aus Rumänien, zehn aus Ungarn und 18 aus Deutschland teil.Der erste Referateblock war der„ Königsdisziplin" desArbeitskreises, den Ofenkacheln, gewidmet. Harald Rosmanitz( Würzburg) berichtete über Ausgrabungen im Rhein- Main- Raum( Burg Bartenstein). Ausgehend von Fragmenten, versucht er mit-tels spezieller Computerprogramme, Kachel- und Ofenformen zurekonstruieren und damit zu einer Interpretation der Funde für den