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ÖZV, LXXVII/ 126, 2023, Heft 2
und Forschenden“ und damit auch zwischen„ uns“ und den„ ande-ren". Ferner böte es sich an, der Frage, was wir praktisch tun können,der kritischen Diskussion gegenüberzustellen, was Stadtforscher: in-nen überhaupt tun wollen und sollen, gibt es doch auch forschungs-ethische, moralische und weitere Grenzen engagierter, bewegenderZugänge.
FELIX GAILLINGER UND THASSILO HAZOD
Bericht zur 30. Tagung der Österreichischen Gesellschaftfür Empirische Kulturwissenschaft und Volkskunde( ÖGEKW),Alpen- Adria- Universität Klagenfurt, 18. bis 20. Mai 2023
„ Wir sind keine Medienwissenschaft“ habe ihm vor vielen JahrenGottfried Korff entgegengehalten, als er sein Interesse an Technikund Digitalität bekundete, und damals, so ließ Klaus Schönberger dasPlenum der Fishbowl- Diskussion am Samstagvormittag wissen, habeer den Tübinger Professor nicht verstanden. Heute aber teile er dessenMeinung, denn und damit griff Schönberger Titel und Einladungzur 30. Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Empirische Kul-turwissenschaft und Volkskunde auf es gehe um eine„ epistemischePerspektive in Bezug auf Digitalität, die den Alltag der Menschen zumAusgangspunkt nimmt“ im Sinne einer„ kritische[ n] Gesellschaftsana-lyse", und nicht darum,„ die Digitalität“ zu erforschen.
An drei Tagen mit insgesamt acht Panels und 28 Vorträgenverfolgten Beitragende aus Österreich, Deutschland und der Schweizdiese Zielsetzung mit unterschiedlichen Schwerpunkten, unter ande-rem Digitalität im urbanen Raum, im Archiv, im Arbeitskontextsowie Fragen der Verschränktheit von„ online“ und„ offline“ und derDiskursivierung digitaler Technologien und Alltagspraktiken.
In ihrer Keynote hinterfragte Estrid Sørensen( Bochum) auspostkolonialer Perspektive die Rolle von Big Data im Prozess derWissensproduktion. Sie wies auf die Unterkomplexität und unzu-lässige Generalisierungen der Data Science hin. Sørensen zeigte,wie durch einen dekolonialen Ansatz„ engagierte“ Daten produziert