Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde126 (2023) / N.S. 77Faber, Monika; Keckeis, Martin: Ölrausch und Huzulenkult – fotografische Streitobjekte aus Galizien und der Bukowina

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Ölrausch und Huzulenkult – fotografische Streitobjekte aus Galizien und der Bukowina : eine zusammenfassende Betrachtung
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ÖZV, LXXVII/ 126, 2023, Heft 2

Ausmaße der ausufernden Rohstoffgewinnung. Es kam zu einemWildwuchs an neuen Gruben- und Förderanlagen, die der RegionBeinamen wie Pennsylvania des Ostens oder Galizisches Kalifor-nien" einbrachten. Den Berichten in den Medien über die zahlreichenUnregelmäßigkeiten bis hin zu folgenschweren Arbeitsunfällen solltedurch Dutkiewicz' hierarchische, klar strukturierte Kompositionenwohl ein Bild der Ordnung gegenübergestellt werden. Generell warman, wie von internationalen Beispielen industrieller Dokumentatio-nen bereits bekannt, darauf bedacht, auf den Fotografien die Fabrikenund Förderanlagen möglichst nicht als jene zerstörerischen Ungetümemit auch damals schon durchaus bekannten Auswirkungen auf dieUmwelt zu präsentieren. Für die in der Ausstellung skizzierte inhalt-liche Klammer zwischen Industrie- und Ethnofotografie sind die Bild-beispiele mit Darstellungen lokaler Bevölkerung besonders interes-sant, auch wenn es sich dabei immer um vom Fotografen angeleiteteKompositionen handeln dürfte.24

Die Fotografie von Dutkiewicz mit der Bildunterschrift,, Huzulen- Kolibe beim Brückenbau Uscieryki[ Usteriky] zeigt eineGruppe von huzulischen Arbeitern, die offensichtlich gerade einePause in ihrer Feldhütte( Kolibe) einlegen.( Abb. 4) Im Hintergrundist ein bärtiger Mann auf einem Pferd, wahrscheinlich ein fahren-der Händler oder aber Aufseher, zu sehen, die Arbeiter werden vonzwei Frauen bewirtet. Eine Datierung der Aufnahme ist nur annähe-rungsweise in Hinblick auf die aufgedruckten Beschriftungen JuliusDutkiewicz in Kolomea möglich, da Dutkiewicz dieses Atelier erstab 1877 betrieb. Letztmögliches Aufnahmedatum muss vor Juni 1887sein, da wir wissen, dass in diesem Monat ein Konvolut inklusivedieser Fotografie an das damalige k. k. Österreichische Museum fürKunst und Industrie in Wien( heutiges Museum für angewandteKunst) vom Fotografen persönlich übergeben wurde. Die von denArbeitern zu bauende Brücke in Usteriky( Usteryki) führte sehrwahrscheinlich über den Schwarzen Čeremoš( Czeremosz) oder einenseiner Zuläufe, die für die Flözerei des in den Bergen geschläger-ten Holzes von großer Bedeutung waren. Gewöhnlich wurden nurUnternehmungen größeren Maßstabs fotografisch begleitet. Damit

24 Die Abgelichteten mussten aufgrund der noch relativ langen

Belichtungszeit in ihrer Pose verharren.