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ÖZV, LXXVII/ 126, 2023, Heft 2
gedruckte Bilder und illustrierte Bücher nicht vereinzelt oder als„ Kunstwerke“, sondern im Kontext ihrer Entstehung und Rezep-tion vorgestellt, wofür die Inszenierung durch den Architekten Wal-ter Kirpicsenko wesentlich beitrug.( Abb. 1) Auf etwa 250 Zentimeterhohen raumteilenden Elementen setzten Schlüsselbilder der Ausstel-lung in Form von Fotovergrößerungen Akzente, die in ihrer Abfolgedie Bandbreite der Themen vor Augen führten. An den Wänden undin Vitrinen chronologisch präsentierte Bilder, Alben( zum Teil in ihrerGesamtheit auf Bildschirmen) und Bücher sorgten für eine historischeVerortung der einzelnen Bereiche. Die aus konservatorischen Grün-den verkleideten Fensternischen boten Platz für Zitate aus Schriftender Zeit, welche die didaktischen Inhalte der Saaltexte unterstrichenoder konterkarierten. Auch wenn das hier vorgegebene Textformat esnicht zulässt, eine ausführliche Darstellung aller Exponate der Aus-stellung zu bieten, soll nun dennoch anhand einiger repräsentativerWerke und durch das Skizzieren des( foto-) historischen Kontextesdas Ausstellungskonzept nachvollziehbar werden.
Raum 1: Die Zirkulation der Bilder- Ausstellungen,Erinnerungsalben, Ansichtskarten und illustrierte BücherWissenstransfer mittels Fotografien in den ersten Jahrzehnten nachihrer Erfindung lässt sich keinesfalls mit späteren Gewohnheiten ver-gleichen: Vor 1885/1890, als man sie noch nicht mithilfe neuer Druck-techniken in großer Zahl vervielfältigen konnte, waren Lichtbilderteuer, selten und nur privilegierten Schichten zugänglich. Ein größe-res Publikum erreichten Fotografien vor allem in den seit den 1840erJahren auch in Österreich regelmäßig stattfindenden, sehr populärenIndustrie- und Landwirtschaftsausstellungen, wo die durch sie vermit-telbare Informationsfülle und Überzeugungskraft von vielen Firmenund Institutionen genutzt wurde. Oft ersetzten Fotografien schwer zutransportierende Produkte. Zugleich gingen Fotografen unter die Aus-steller und präsentierten ihre eigenen Erzeugnisse und dokumentier-ten dazu noch die Veranstaltung selbst. Diese Bilder wurden weithin
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Erstmals nachweisbar bei der Land- und Forstwirthschaftlichen Ausstellung1866 in Wien, Fotograf Josef Carl Steuer. Die erhaltenen Beispiele inder Albertina, Wien, stammen aus dem Besitz von Erzherzog Albrecht