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ÖZV, LXXVII/ 126, 2023, Heft 2
Kunsthandwerk, Bräuchen oder Hausbau. Doch das auf den erstenBlick rein wissenschaftliche Interesse an den„ Huzulen“ spiegelte diewachsenden politischen Spannungen wider, die mit radikalen gesell-schaftlichen Umbrüchen einhergingen. Ukrainische, polnische, rumä-nische und deutschsprachige Eliten versuchten,„ Land und Leute“ fürihre jeweiligen Ziele zu instrumentalisieren.
Gemeinsam war diesen Akteuren, dass sie trotz konträrerStandpunkte immer wieder auf dieselben Bilder des in Kolomyia( Kolomea) 5 in Galizien ansässigen Fotografen Juliusz( Julius) Dutkie-wicz( 1834-1908) zurückgriffen. Seine Industrieaufnahmen dientenin Ausstellungen und Publikationen der Darstellung wirtschaftlicherProsperität des Landes, seine weitverbreiteten„ Typen“-Fotogra-fien wiederum festigten die Vorstellung von den„ Huzulen“ als einerBevölkerungsgruppe, die anderswo in Europa längst abgelegte Sittenbewahrt hätte.
Struktur der Ausstellung
In der Ausstellung im Volkskundemuseum Wien wurde mithilfe vonFotografien von Dutkiewicz und einiger weniger anderer – ver-sucht, einen( neuen) Blick auf die komplexe historische Situation zuwerfen. Die Protagonist* innen, neben den in den Fokus gesetztenFotografen und Forschern etwa auch politische Entscheidungsträ-ger bis hin zu Schriftsteller* innen, vertraten einander oft widerspre-chende und auch in sich nicht immer konsistente Standpunkte, die eskritisch zu hinterfragen galt. Drei Themenkomplexe strukturiertendie Ausstellung. Nach einer ersten geografischen Verortung durcheine Überblickskarte von der Region im Eingangsbereich standenim ersten Raum die unterschiedlichen Verwendungsweisen der dort
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Huzul* innen werden die ostslawisch sprechenden, in der Habsburger-monarchie dem„ ruthenischen Volksstamm" zugeordneten Gebirgsbewoh-ner* innen der Ostkarpaten im Grenzgebiet Ungarns, Ostgaliziens und derNordbukowina genannt, wobei die„ Huzulenregion" der cisleithanischenKronländer, insbesondere in den Tälern des Pruth und Czeremosz,deutlich intensiver erforscht, präsentiert und damit popularisiert wurde.Ukrainisch: KолOмия: wissenschaftliche Transliteration: Kolomyia;Polnisch: Kołomyja.
Die Schreibweise der Fotografennamen folgt derjenigen auf ihrenAtelier- Untersatzkartons.