Brigitte Semanek und Tabea Söregi, Die Liebe zum kleinen Format
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- gemeinsames Weihnachtsessen zu Tisch. Obwohl jeder Film insich einzigartig ist, schwingt angesichts zahlreicher ähnlicher Auf-nahmen rasch eine gewisse Vertrautheit mit den dargestellten Ritua-len und gesellschaftlichen Konventionen mit. Filmhistoriker PaoloCaneppele und Filmarchivar Raoul Schmidt schreiben darüber, dassviele Forschungsarbeiten zu Home Movies sich auf„ die besonderenMomente" des Filmes beziehen. In Bezug auf Weihnachten könntedies etwa eine Szene sein, bei der die Beschenkten sich nicht über dieüberreichte Gabe freuen und die familiäre Idylle kurz gestört ist. Insolchen Momenten wird die familiäre Ordnung innerhalb des HomeMovies aufgehoben und die Konstruiertheit der sozialen Welt beson-ders deutlich. Jedoch plädieren Caneppele und Schmidt dafür, diesich wiederholenden Szenen ebenso ernst zu nehmen wie die Beson-derheiten, gerade weil es die Häufungen der Szenen sind, die Ord-nungen von und in Home Movies produzieren. Der Begriff„ HomeMovies" hat sich ausgehend von der angloamerikanischen Forschungals Bezeichnung für„ Familienfilme" etabliert. Er weist auf den Schau-platz des eigenen Zuhauses mit Bezugspunkten zwischen Verwand-ten, Freund* innen und Nachbar* innen hin.„ Amateurfilme“ wäre derÜberbegriff, der beispielsweise auch dokumentarische Filmformatewie Vereins- und Ortschroniken oder aber nicht- professionell produ-zierte Spielfilme umfasst.⁹
7 Paolo Caneppele, Raoul Schmidt: Die Flüchtigkeit festhalten. Von derMelancholie des Sammelns. In: Siegfried Mattl, Carina Lesky, VrääthÖhner u. a.( Hg.): Abenteuer Alltag. Zur Archäologie des Amateurfilms.Wien 2015, S. 143-149, hier S. 148.
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Ebd.
Rick Prelinger, der in den USA die Prelinger Archives, eine große Samm-lung an Amateurfilmen und weiteren„ non- theatrical films“ gegründethat, beschrieb Home Movies in einer Rede als„ inherently populistwithout being simplistic. They're documentary in all its chaos and purity,yet express an infinity of enticing narratives". Final Report des Centerfor Home Movies 2010 Digitization and Access Summit, January 2011,http://www.centerforhomemovies.org/Home_Movie_Summit_Final_Report.pdf( Zugriff: 18.10.2023), S. 6. Vgl. auch Ute Holfelder, KlausSchönberger: Einführung. Bewegtfilmpraktiken und Alltagskulturen.In: Dies.( Hg.): Bewegtbilder und Alltagskulturen. Von Super 8 überVideo zum Handy film. Praktiken von Amateuren in der gesellschaftli-chen Ästhetisierung. Köln 2017, S. 9-15.