Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde126 (2023) / N.S. 77Jaworski, Rudolf: Der „deutsche Dreifarb“ als politisches Signal

  
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Der „deutsche Dreifarb“ als politisches Signal : Bildpostkarten in der späten Habsburgermonarchie
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ÖZV, LXXVII/ 126, 2023, Heft 2

Schließlich galt es doch in erster Linie, alle Monarchievölker hinterThron und Vaterland zu versammeln und für eine kollektive militä-rische Kraftanstrengung zu mobilisieren. Die Appelle der österreichi-schen Kriegspropaganda an die Gesamtbevölkerung des Reiches, zuHause wie an der Front, Flagge zu zeigen, konnten in dieser Extrem-situation einzig und allein im Aufruf zu einem nationenübergreifen-den Bekenntnis zu Kaiser und Reich bestehen und gewiss nicht in dersymbolischen Hervorhebung der Vormachtstellung eines einzelnenBevölkerungselements. Aus eben diesem Grund waren die Untertitelvieler Kriegspostkarten auf der Bild- oder der Adressenseite nicht nurin deutscher Sprache, sondern daneben auch in ungarischer, polni-scher und tschechischer Übersetzung wiedergegeben. Infolgedessenmusste auch der Dreifarb Einbußen an seiner herausragenden Bedeu-tung hinnehmen, die er während der letzten Vorkriegsjahrzehnte inder deutschösterreichischen Öffentlichkeit zweifellos erlangt hatte,und dem kriegsbedingten Aufschwung einer, schwarz- gelben Gesin-nung den Vorrang überlassen.21

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Jaworski: Deutsch oder slawisch? Ethnopolitische Trennlinien in derPostkartenpropaganda des Ersten Weltkrieg. In: Karin Almasy, HeinrichPfandl, Eva Tropper( Hg.): Bildspuren- Sprachspuren. Postkarten alsQuellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie.Bielefeld 2020, S. 285–313; und zum Folgenden Walter Lukan: DieKriegspostkarte Österreich- Ungarns im Ersten Weltkrieg: AusgewählteBeispiele zum Leitthema Staat und Provinz. In: Ulrike Tischler, KarlKaser( Hg.): Provincial Turn. Verhältnis zwischen Staat und Provinz imsüdöstlichen Europa vom letzten Drittel des 17. bis ins 21. Jahrhundert.Frankfurt a. M. 2017, S. 145-187.

Siehe dazu beispielsweise die Essays von Hermann Bahr: Schwarzgelb.Berlin 1917; oder die Kriegsgedichte- Sammlung von Franz Eichert:Schwarz- gelb und Schwarz- weiß- rot. Innsbruck 1916.