Rudolf Jaworski, Der„, deutsche Dreifarb" als politisches Signal
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zwischenstaatliche Charakter der gewählten Farbsymbolik zusätzlichunterstrichen wurde.
Für das Habsburgerreich war aber zusätzlich noch eineweitere innerstaatliche und innenpolitische Komponente relevant:schließlich handelte es sich bei diesem Reichsverband seit 1867 erklär-termaßen um eine Doppelmonarchie, in deren Rahmen der ungarischbeherrschten Reichshälfte erhebliche institutionelle Eigenständigkei-ten zugestanden worden waren, die von den Magyaren schon zu Frie-denszeiten selbstbewusst wahrgenommen und öffentlich manifestiertwurden, unter den aktuellen Kriegsbedingungen aber zusätzlich anBedeutung gewonnen hatten. Eine am 18. April 1917 abgestempelteFeldpostkarte zeigt beispielsweise einen österreichischen Soldatenmit gezücktem Säbel in der einen und mit der gemeinsamen österrei-chisch- ungarischen Armeefahne in der anderen Hand( Abb. 8). Hinterihm steht sein ungarischer Kamerad mit der ungarischen National-flagge Rot- Weiß- Grün und dem Wappen des Königreichs Ungarnsamt Stephanskrone. Beide uniformierten Fahnenträger posieren aufTreppen, die zu einem Denkmal mit einer schemenhaft erkennbarenKaiserbüste Franz Josefs I. führen. Ergänzend dazu ist abschließendnoch eine passende Textzeile aus der letzten Fassung der österrei-chischen Kaiser- und Volkshymne zitiert:„ Gut und Blut für unsernKaiser, Gut und Blut fürs Vaterland".
In der Kriegspropaganda des österreichisch- ungarischen Viel-völkerstaates war aber auch sonst an eine einseitige Hervorhebungdes deutschen Bevölkerungselements gar nicht zu denken, wie diesim ethnisch weitaus homogener strukturierten WilhelminischenDeutschland viel einfacher zu realisieren gewesen ist. Sprüche wie„ Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein!“ oder„ Ich kenne keine Parteienmehr, ich kenne nur noch Deutsche!" mochten daher in Deutschlandvielleicht angesagt gewesen sein, machten im habsburgischen Viel-völkerstaat aber wenig Sinn, weil sie unweigerlich die dringend benö-tigte Loyalität der nichtdeutschen Völker aufs Spiel gesetzt hätten.20
19 Vgl. dazu Balint Varga: The Monumental Nation. Nationalism andSymbolic Politics in Fin- de- siècle Hungary. New York 2016.
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Siehe hierzu die Beiträge in dem vom Heeresgeschichtlichen MuseumWien herausgegebenen Sammelband: Der Erste Weltkrieg und der Viel-völkerstaat. Wien 2012; vgl. in diesem Zusammenhang u. a. auch Rudolf