Rudolf Jaworski, Der„, deutsche Dreifarb" als politisches Signal
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Mischgebieten der Monarchie mit dem Dreifarb eingerahmt haben,um diese eindeutig als deutsch zu markieren und sie damit exklusivals unverzichtbaren deutschen Besitzstand reklamieren zu können.Hierzu wurde stellvertretend eine Ansichtskarte mit vier Teilansich-ten ausgewählt, die kreuzförmig von schwarz- rot- goldenen Bande-rolen unterteilt war und in der Bildmitte den deutschen Stadtnamen„ Aussig an der Elbe“ zusammen mit dem böhmischen Löwen undEichenlaubzweigen wiedergab( Abb. 3). Derartige Visualisierungsprak-tiken sind als unmittelbare Reaktion auf die sich wandelnde ethnischeZusammensetzung der Grenzbevölkerung in den Industriestandor-ten der böhmischen Randzonen zu verstehen, die gegen Ende des19. Jahrhunderts einen verstärkten Zuzug nichtdeutscher Arbeits-kräfte zu verzeichnen hatten, wie beispielsweise die nordböhmischeStadt Aussig, die um 1900 bereits eine beachtliche tschechische Min-derheit zählte, deren Präsenz sich auch gesellschaftlich wie politischmanifestierte in Gestalt eigener Vereine, Geldinstitute, Zeitungenund Schulen u. ä. m.13
Abgesehen von den bereits genannten traditionell groß- undgesamtdeutsch gesinnten Vereinigungen wie zum Beispiel den Bur-schenschaften oder Turnvereinen waren es vor allem die sogenannten, Schutzvereine', die sich am Ausgang des 19. Jahrhunderts die, Wah-rung und Verteidigung des gefährdeten Deutschtums' im Habsbur-gerreich zum Ziel gesetzt und dabei den deutschen Dreifarb zu ihremMarkenzeichen gewählt hatten. Ausgangspunkt für die keinesfallsauf das deutsche Bevölkerungselement beschränkte Schutzvereinsbe-wegung bildete die sich seit Ende des 19. Jahrhunderts zuspitzendeSchul- und Sprachenfrage in den gemischtsprachigen Kontakt- undÜberschneidungszonen der Habsburgermonarchie. Auf deutscherSeite agierte hierbei als älteste, größte und prominenteste Organisa-tion der 1880 in Wien gegründete nationalliberale„ Deutsche Schul-verein".14
13 Vgl. dazu Vladimír Kaiser, Kristina Kaiserová( Hg.): Dějiny města.Ústí nad Labem. Ústí nad Labem 1995, S. 78-100.
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Vgl. dazu u. a. Erwin Barta, Karl Bell: Geschichte der Schutzarbeit amdeutschen Volkstum. Gedenkbuch zum fünfzigjährigen Bestehen derSchutzvereine 1930. Dresden 1930, S. 11-30; Monika Streitmann: DerDeutsche Schulverein vor dem Hintergrund der österreichischen Innen-politik 1880-1918. Unveröff. Diss., Universität Wien 1984.