Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde126 (2023) / N.S. 77Jaworski, Rudolf: Der „deutsche Dreifarb“ als politisches Signal

  
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Der „deutsche Dreifarb“ als politisches Signal : Bildpostkarten in der späten Habsburgermonarchie
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ÖZV, LXXVII/ 126, 2023, Heft 2

Teplice Šanov und Niklasberg/ Mikulov v Krušných horách abgestem-pelte Prägekarte an, auf welcher ein goldener habsburgischer Doppel-adler mit einer schwarz- rot- goldenen Banderole unterlegt ist( Abb. 1).Am rechten unteren Bildrand war zusätzlich ein, deutscher Gruẞ" inFraktur eingedruckt, womit der deutsch deklarierte Charakter dergesamten Monarchie zusätzlich unterstrichen wurde. In Anbetrachtder zahlreichen, sich um 1900 im gesamten Reichsgebiet zuspitzen-den Nationalitätenkonflikte erscheint die Kombination des supra-nationalen und gesamtstaatlich gültigen habsburgischen Hoheits-zeichens mit der ethnisch exklusiv verstandenen deutschnationalenFarbsymbolik als eine unzeitgemäße, aber gezielt gewählte Manifes-tation ungebrochener deutscher Vorherrschaftsansprüche und damitals visuelles Zeichen einer strikten Abgrenzungsstrategie gegenüberder Mehrheit der nichtdeutschen Monarchievölker."

Wiederholt wurden um 1900 zudem Postkarten verbreitet,welche die Farben Schwarz, Rot und Gold ganzflächig im Querformatauch ohne direkten Bezug auf die Habsburgermonarchie wiederge-geben haben. Hierzu sei stellvertretend ein kollektiv unterzeichneterKartengruß aus Graz nach Wiesbaden vom 31. März 1900 wiederge-geben( Abb. 2). Im oberen, schwarz gefärbten Drittel dieser Bildpost-karte waren in Goldbuchstaben Text und Notenzeile der Anfangs-strophe der Wacht am Rhein eingedruckt. Diese Bezugnahme kameinem gesamtdeutschen Bekenntnis gleich und zitierte zugleich einKampflied der deutschradikalen Schönerianer, das diese gelegentlichsogar im Wiener Reichsrat anzustimmen pflegten.12 Die darunterlie-genden beiden verbleibenden Farbflächen in Rot und Gold enthieltendarüber hinaus einen weiteren Spruch, der gleichfalls die gesamtdeut-sche Bedeutung des Dreifarbs unterstrichen hat: Nie kann unserdeutsches Land untergehn in Haders Flammen/ denn es hält ein drei-fach Band Schwarz Rot Gold das Deutschtum zusammen.

Unbedingt erwähnenswert sind desgleichen Kartenmo-tive, die komplette Ortsansichten in den zahlreichen ethnischen

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Siehe dazu außerdem Rudolf Jaworski: Einer gegen alle! Zur Visualisie-rung des deutschen Michels auf Bildpostkarten der späten Habsburger-monarchie. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde LXXIII/ 122,2019, 1, S. 57-77.

12 Vgl. zu Schönerer und den Schönerianern vor allem Andrew Whiteside:Georg Ritter von Schönerer. Alldeutschland und sein Prophet. Wien 1971.