Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde126 (2023) / N.S. 77Jaworski, Rudolf: Der „deutsche Dreifarb“ als politisches Signal

  
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Der „deutsche Dreifarb“ als politisches Signal : Bildpostkarten in der späten Habsburgermonarchie
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ÖZV, LXXVII/ 126, 2023, Heft 2

geeinigt, mit den inzwischen als aufrührerisch eingestuften Burschen-schaften auch den Dreifarb zu verbieten.

Schon im Vormärz und insbesondere in der Revolution von1848 spielte der deutsche Dreifarb jedoch abermals eine herausra-gend prominente Rolle in der Frankfurter Paulskirche ebenso wiein der alten Kaiserstadt Wien.³ In den deutschen wie in den öster-reichischen Territorien galt der Dreifarb nach wie vor als Sinnbildfür den demokratischen und nationalen Aufbruch der Deutschen inganz Zentraleuropa. Im Gefolge der Märzrevolution wehte damalssogar die schwarz- rot- goldene Fahne vom Stephansdom und machtedeutlich, dass ein erheblicher Teil der deutschen Öffentlichkeit in derDonaumonarchie deren Auseinanderbrechen wissentlich in Kaufnahm, um sich einem gesamtdeutschen Reichsverband anzuschlie-Ben. Diese Pläne scheiterten freilich, als es der Herrscherdynastiemithilfe des Militärs schließlich gelang, die österreichische Eigen- undsupranationale Gesamtstaatlichkeit zu bewahren. Mit dem Umbaudes Habsburgerreiches in eine österreichisch- ungarische Doppelmo-narchie im Jahr 1867 und mit der Gründung des Deutschen Reichesunter preußischer Führung von 1871 war es auch mit den großdeut-schen Einigungsplänen vorbei. Bismarck hatte bereits 1850 den Drei-farb als Farben des Aufruhrs und der Barrikaden gegeißelt. Aberauch von österreichischen Aufsichtsbehörden wurde diese Farbkom-bination seither als Zeichen der Illoyalität verdächtigt und, inkrimi-niert. Stattdessen wurden Schwarz, Weiß und Rot zu den offiziellanerkannten Farben des Deutschen Reiches, Schwarz und Gelb die-jenigen der Donaumonarchie. Der deutsche Dreifarb hatte also imHabsburgerreich nur kurzfristig vor und während der Revolutionvon 1848 Konjunktur und sollte dann erst in den letzten Jahrzehntenvor Beginn des Ersten Weltkriegs in Zisleithanien wieder größereBedeutung erlangen.5

3 Vgl. dazu u. a. Hannes Leidinger: Der Untergang der Habsburgermon-archie. Innsbruck 2017, S. 57-59; Eberhard Reinhold Pilz: Die politischeSymbolik der deutschen Revolution 1848/49. Wien 1998.

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Siehe in diesem Zusammenhang Franz Herre: Bismarck. Der preußischeDeutsche. Köln 1991, insbesondere S. 90-97.

Siehe auch zum Folgenden Peter Diem: Die Symbole Österreichs. Wien1995, S. 39-108; Norbert Leser, Manfred Wagner( Hg.): Österreichspolitische Symbole. Wien 1994.