Rudolf Jaworski
Der„, deutsche Dreifarb❝ alspolitisches Signal- Bildpostkartenin der späten Habsburgermonarchie
Nationalfarben zählen bekanntlich zu den unverzichtbaren Unter-scheidungsmerkmalen und Identifikationssymbolen souveränerStaaten und moderner Nationen.' Die alles andere als geradlinig ver-laufene Geschichte der deutschen Nationalfarben Schwarz- Rot- Goldreicht bis zu den antinapoleonischen Befreiungskriegen zurück undwar vor allem eng mit dem Aufkommen der Burschenschaften ver-bunden.² Herkunft und Anfänge werden gewöhnlich mit der farbli-chen Gestaltung der Uniformen des Lützow'schen Freicorps währendder antinapoleonischen Kriege in Verbindung gebracht. Symbolischstand demzufolge Schwarz für die zu überwindende Fremdherr-schaft und Knechtschaft, Rot für blutige Schlachten und Gold fürdas hoffnungsverheißende Licht der Freiheit. Diese Farbkombinationwurde gleichermaßen zu einem wichtigen politischen Signal für denKampf gegen Fürstentyrannei sowie für das Streben nach Freiheitund Einheit der deutschen Nation und stand damit für ein Anliegen,in welchem die österreichischen Deutschen in der ersten Hälfte des19. Jahrhunderts zunächst noch wie selbstverständlich eingebundengewesen sind. Bereits im August 1819 hatten sich die konservativenRegierungen von Österreich und Preußen in Karlsbad freilich darauf
1 Vgl. dazu u. a. Eric Hobsbawm: Inventing Traditions. In: Benedict Ander-son u. Terence Ranger( Hg.): The Invention of Tradition. Cambridge1983, S. 1-14; Peter Häberle: Nationalflaggen. Bürgerdemokratische Iden-titätselemente und internationale Unterscheidungssymbole. Berlin 2008.Vgl. u. a. Hans Hattenhauer: Deutsche Nationalsymbole. München 1984,S. 11-24; Harald Lönnecker: Rebellen, Rabauken, Romantiker. Schwarz-Rot- Gold und die deutschen Burschenschaften. In: Petra Rösgen( Hg.):Flagge zeigen? Die Deutschen und ihre Nationalsymbole. Bielefeld 2008,S. 27-33.
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