Bernd Rieken
Der Hochmut und sein Wetter.Grimms Märchen„ Van denFischer un siine Frau"( KHM 19)
Vorbemerkung
Im Folgenden soll das Grimm'sche Märchen aus verschiedenen Blick-winkeln betrachtet werden, zunächst im Sinne Max Lüthis, für dender„ Literaturforscher[...] gleichzeitig auch volkskundliche Arbeit“leiste ,, und der Volkskundler literaturhistorische"- um hinzuzufü-gen, dass ebenso[...] der Psychologe beiden Wissenschaften Dienste“erweise. In diesem Sinn soll das Märchen einerseits textnah interpre-tiert sowie auf kulturhistorische Bezüge aufmerksam gemacht werden,andererseits wird der Frage nachgegangen, ob und inwieweit( tiefen)psychologische Zugänge eine zusätzliche Perspektive ermöglichen,die mit der literaturwissenschaftlichen und ethnologischen vereinbarist. Darüber hinaus sollen theologische Aspekte thematisiert werdenund insbesondere ökologische, die im Kontext des anthropogenenKlimawandels betrachtet werden, der verstärkt Wetteranomalien her-vorruft ein Aspekt, der bisher keine Beachtung im Zusammenhangmit dem Märchen gefunden hat.
Inhaltsübersicht
Mit den folgenden Worten beginnt die Erzählung in der dritten Auf-lage von 1837:„ Daar was mal eens een Fischer un siine Fru, de waan-ten tosamen in'n Pispott, dicht an de See, un de Fischer gieng alleDage hen un angelt, un gieng he hen lange Tid".2
1 Max Lüthi: Das europäische Volksmärchen. 9. Aufl. Tübingen 1992, S. 114.
2
Jacob und Wilhelm Grimm: Kinder- und Hausmärchen gesammelt durch
die Brüder Grimm. Vollständige Ausgabe auf der Grundlage der drittenAuflage( 1837). Hg. von Heinz Röllecke. Darmstadt 1999, S. 102.