Aufsatz in einer Zeitschrift 
Die Gärten Kaisarianis : Erinnerungsrepertoires und -orte des Widerstands in Athen
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ÖZV, LXXVII/ 126, 2023, Heft 2

Quartier der Gestapo, das drei Stockwerke unter die Erde reicht. Seit2008 ein Museum das einzige, das im Zentrum Athens von denSchrecken des Naziregimes zeugt bleibt es dennoch für viele Athe-ner* innen unbekannt. Und da ist das Weiler Gebäude in der Makri-gianni Straße, welches während der Dekemvriana als Polizeirevier einzentraler Schauplatz war und heute das Research Center des Akropo-lis Zentrums beherbergt ohne jeglichen Verweis auf die Ereignissedes 20. Jahrhunderts. Die Erinnerungsorte des Widerstands währendder Besatzungszeit scheinen an die Peripherie gedrängt. So verhält essich mit Orten im topografischen Sinne, wie auch mit den Gedenkfei-ern, die häufig nicht im räumlichen und politischen Zentrum Athensstattfinden, sondern in den Vorstädten, die teilweise zu den durch denWiderstand befreiten Gebieten gehörten.

Die Gegensätzlichkeit zwischen Zentrum und Periphe-rie spiegelt die Diskrepanz zwischen individuellen und kollektivenBedürfnissen sowie offiziellen Formen des Gedenkens wider. EineDiskrepanz, die auf Divergenzen und Spannungen hinweist, die nachJörn Rüsen dennoch fundamental sind, um Geschichtsbewusstseingegenwärtig zu halten und eine agonistische Betrachtung der grie-chischen Erinnerungskultur ermöglichen. Erinnerungskultur wirdso zu einem dynamischen Feld von Verhandlungen und Konflikten,ein unabgeschlossener Prozess der Auseinandersetzung über das, wasdie Geschichte einer Gruppe, einer Gesellschaft ausmachen soll- eswären immer auch andere, alternative Darstellungen möglich" 85," 85 wieHeidemarie Uhl schreibt. Durch Erinnerungsorte und-repertoiresvergangener und aktueller Bewegungen bleibt Kaisariani damit selbstZentrum politischer Handlungsmacht: Kaisariani is a powerful place.It is known in Greek society as a place of sacrifice and the strongholdof the resistance during the occupation.

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Jörn Rüsen: Über den Umgang mit den Orten des Schreckens. In: DetlefHoffmann( Hg.): Das Gedächtnis der Dinge: KZ- Relikte und KZ- Denk-mäler 1945-1995. Frankfurt a. M., New York 1998, S. 330-343, hierS. 337.

Heidemarie Uhl: Warum Gesellschaften sich erinnern. In: Forum Politi-sche Bildung Informationen zur Politischen Bildung( Hg.): Erinnerungs-kulturen, Bd. 32. Innsbruck, Wien, Bozen 2010, S. 5-14, hier S. 8.Interview mit Despina und ihrem Vater Panos. Athen, Skopeftirio13.3.2021.