Jahrgang 
126 (2023) / N.S. 77
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ÖZV, LXXVII/ 126, 2023, Heft 1

Alle Beiträge sind perspektivenreich und mit vielen Theo-rien untermauert, reflektiert, kritisch und anschaulich. Die Länge derBeiträge lässt es zu, viele Theorien einzupflegen, was einerseits span-nend, andererseits aber für Leser: innen, die sich selbst noch nichtumfassend mit diversen Theorien des Care- Begriffes auseinanderge-setzt haben, teilweise sehr herausfordernd ist. Trotzdem kann derBand durchwegs auch dafür empfohlen werden, sich einen erstenÜberblick über das Thema zu verschaffen. Viele Theoretiker: innenund Aktivist: innen sowie Beispiele aus der künstlerischen Praxiswerden vorgestellt. Der dritte Teil des Buches, Activist Doings, bie-tet Zitate und Abbildungen, die die theoretischen Ausführungenanschaulicher und leichter verständlich machen, sowie Beispiele dafür,wie die Theorien in einer künstlerischen Praxis angewendet werden.

KATRIN PRANKL

Felix Gaillinger: Um den Unterhalt kämpfen! Junge Volljährigeim Rechtsstreit gegen ihre Väter(= Münchner EthnographischeSchriften, 35). München: utz Verlag 2022, 136 Seiten, 2 Abb.

2016 plädierte Beate Binder auf der Tagung Dimensionen des Politischenfür eine verstärkte Einbeziehung rechtsanthropologischer Perspekti-ven bei der Analyse politischer Praktiken.' Zwar bezogen sich ihreAusführungen vor allem auf eine Kulturanthropologie in und überPolitikfelder, politische Interventionen, soziale Kämpfe u. ä., gleich-wohl können ihre Ausführungen für eine kulturwissenschaftlicheAnalyse alltäglicher politischer Aushandlungen in Stellung gebrachtwerden. Denn Recht, so Binder, ist immer auch Verhandlungsgegen-stand, Werkzeug sozialer Auseinandersetzungen, Modus der Teilhabe

1 Beate Binder: Rechtsmobilisierung. Zur Produktivität der Rechtsanthro-pologie für eine Kulturanthropologie des Politischen. In: Johanna Rols-hoven, Ingo Schneider( Hg.): Dimensionen des Politischen. Ansprücheund Herausforderungen der Empirischen Kulturwissenschaft. Berlin2018, S. 51-62.