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ÖZV, LXXVII/ 126, 2023, Heft 1
Kinderwagen oder das Vorschulkind( S. 97-98), die Ödnis des Arbei-terinnenwohnheims( S. 62), die – im Text nicht diskutierte ·
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erstaun-
liche Ähnlichkeit zwischen sozialistischer Reklame für Frauen unddem westlichen Gegenstück( S. 102–103, 112–113 u. a.), die Bilderaus Altenheimen in enteigneten Schlössern von den 50er bis in die80er Jahre( S. 40, 41, 236), oder die parallel zu betrachtende histori-sche Schichtung von„ passender“ Kleidung auf Hochzeitsbildern( z. B.S. 148). Gerade die privaten Aufnahmen in ihrer Vielzahl sind nicht nureine Quelle dafür, wie die Abgebildeten sich und ihr Umfeld„ ange-messen“ festzuhalten bzw. in ihrer Erinnerung zu bewahren gedach-ten. Sie zeugen auch von einem Anspruch auf Lebensfreude, der inder Innenwelt beider Gesellschaften unterhalb der politischen Ebenegerade von jungen Frauen demonstriert wurde( z. B. S. 143, 179).
Ein sehr empfehlenswertes Buch, das auch ohne einschlägigeSprachkenntnisse quasi als Album viele Einblicke liefert.
JULIANE BRANDT
Kaspar Maase: Schönes alltäglich erleben. Über die Ästhetisierungder Kultur. Bielefeld: transcript 2022, 189 S. Open Access:https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-6117-0/
schoenes- alltaeglich- erleben/
Der Titel Schönes alltäglich erleben kann Erinnerungen an glückli-che Augenblicke, überraschende Erlebnisse und heitere Stimmun-gen wachrufen. Angesichts empfundener oder mit immer ähnlichenWendungen ausgedrückter Sprachlosigkeit, die solche Phänomenegewöhnlich begleiten, stellt sich jedoch die Frage, mit welcher Moti-vation und Legitimation sich Kulturwissenschaft hier einmischenkann und sollte. Auch das ist im Titel angedeutet, denn nach landläu-figer Meinung scheint er doch Widersprüchliches zu vereinen: KannSchönes alltäglich sein und liegt die Schönheit nicht im Objekt?
Das Anliegen von Kaspar Maases Buch ist,„ eine Debatteüber begrifflich- konzeptionelle Werkzeuge zur Untersuchung ästhe-tischer Dimensionen des Alltagslebens“ anzustoßen.( S. 11) Dazu