108
ÖZV, LXXVII/ 126, 2023, Heft 1
Marta Botiková, Zita Deáky: Lányok, asszonyok a szocialistaSzlovákiában és Magyarországon( 1955–1989)- Ahogy kétetnológus nő látta/ Dievčatá, ženy na Slovensku a v Maďarsku( 1955-1989) Očami dvoch etnologičiek[ Mädchen und Frauenin der sozialistischen Slowakei und in Ungarn( 1955-1989)-Gesehen von zwei Ethnologinnen]. Übersetzung ins Slowakische:Diána Marosz. Budapest: ELTE BTK 2022, 339 Seiten, zahlr. Abb.
Das vorliegende Werk ist das Ergebnis einer ungewöhnlichen undoffenkundig sehr produktiven Zusammenarbeit. Zwei erfahrene Eth-nologinnen, die selbst die Entwicklung ihres Fachs von der traditio-nellen Volkskunde zur europäischen Ethnologie mit vorangetriebenhaben, entwickeln hier im Dialog miteinander eine gemeinsame Sichtauf weibliches Leben in ihren Ländern Slowakei und Ungarn –in der sozialistischen Ära. Jeweils gesondert, im Rahmen nationalerWissenschaftssysteme, erarbeitete Ergebnisse wurden im Austauschthematisiert und schließlich gemeinsam verschriftlicht. Mit„ Mäd-chen und Frauen in der Slowakei und in Ungarn( 1955-1989)“ istdabei ein höchst anregendes, konsequent zweisprachiges, reich mitzeitgenössischen Fotografien ausgestattetes und keineswegs nur anFachleute adressiertes handliches Buch entstanden.
Der Beginn des Untersuchungszeitraums wurde mit 1955angesetzt. Gegen Mitte der 50er Jahre hatte das„ staatssozialistischeSystem" nach dem Tode Stalins und den damit einhergehenden Kon-vulsionen in beiden Ländern eine gewisse Stabilität erlangt( S. 16).Vor allem aber wurden beide Forscherinnen zufällig in diesem Jahrgeboren und stellen sich der Tatsache, auch selbst durch diese Zeitgeprägt worden zu sein. So stützen sie sich zwar selbstverständlichauf ein breites Spektrum von Forschungsergebnissen aus Ethnologie,Geschichtswissenschaft und Soziologie, bekennen aber darüber hin-aus:„[ W] ichtig ist, dass wir als Autorinnen des Bandes zugleich auchZeitzeuginnen sind,[...] die das Funktionieren des sozialistischenSystems, seine Wirkung auf Individuen wie Gemeinschaften selbstgesehen und erfahren haben.“( S. 14, Übersetzung hier und im Folgen-den: J. B.) Die Spannung zum fachlichen Objektivitätsanspruch, diedadurch entsteht, wird bewusst aufgegriffen und mitgeführt. Dane-ben steht als zweites zentrales Spannungsfeld dasjenige, das aus der