Berichte und Besprechungen
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Jahresbericht Verein für Volkskunde und Österreichisches Museumfür Volkskunde 20221
Wenn wir uns an das Jahr 2022 erinnern, muss zuerst an jene„ Zeiten-wende" gedacht werden, die der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholzam 27. Februar 2022 in einer Sondersitzung des Deutschen Bundes-tages ausrief:„ Wir erleben eine Zeitenwende. Das bedeutet: Die Weltdanach ist nicht mehr dieselbe wie die Welt davor." Am 24. Februar2022 frühmorgens begann Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine,und ich war gerade auf einer Skitour an einem sonnigen Wintertag.Ich sage das deshalb, weil abends unser gewohnter Denkraum Schneevon gestern war.
Es fällt schwer, all das aufzulisten, was in der kleinen Weltder Museumsarbeit gelungen ist, welche die Anstrengungen waren,die Fragen, die Unsicherheiten, wenn gerade in der Nachbarschaft dieTüre für den menschlichen Wahnsinn aufgegangen ist. Wir nutzenwie viele andere auch den Hashtag#standwithukraine und haben—sofern möglich verschiedenen ukrainischen Initiativen Raum zurVerfügung gestellt. Unser Sammlungskanal in den sozialen Medienhat sich solidarisiert und ukrainische Objekte präsentiert und kon-textualisiert.
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Die Klimakrise beschäftigt uns alle. Einfache Grafiken zei-gen uns, dass wir bei gleichbleibender Performance in wenigen Jahren3,5 Grad mehr Durchschnittstemperatur haben werden und schlichtverbrennen. Der Aktivismus für eine Rettung der Welt hat dabei auchdie Museen betroffen. Junge Menschen klebten sich an Museums-objekte, ohne sie zu beschädigen. Bei uns hat sich das Projekt Real-fiktion Klimarechnungshof – Klimaschutz zwischen wissenschaftlicherEvidenz und demokratischer Kontrolle angesiedelt. Diese Realfiktionder gesellschaftlichen Forderung, einen Klimarechnungshof zu etab-lieren, geht von Alexa Färber, Professorin am Institut für EuropäischeEthnologie der Universität Wien, aus und hat uns als Austragungsortgefunden. Ökologie-, Umwelt- und Klimadiskurse haben sich im ver-gangenen Jahr durch mehrere Kooperationen am Museum etabliert.
1 Kurzfassung, die Vollversion ist auf www.volkskundemuseum.at/
jahresberichte einzusehen.