Oliwia Murawska
Wovon ein kaschubisches
Ding erzählt. Näherungs- undVerweisungszusammenhängeeines Jumbobechers¹
Manchmal lassen sich kleine Dingeauf große Dinge reduzieren.2
1. Einstimmende Dingideen
Darauf, dass Dinge einen Mund zur Offenbarung besitzen und diesengelegentlich eigenmächtig benutzen, machen uns nicht zuletzt MartinScharfe in Anlehnung an Jakob von Uexküll oder Ruth- E. Mohr-mann mit der Frage„ Können Dinge sprechen?" aufmerksam. DiesenIdeen folgend, möchte ich einem zunächst unscheinbar wirkendenAlltagsgegenstand, namentlich einem mit kaschubischen Musterndekorierten Kaffeebecher, schrittweise zur Sprache verhelfen. Geradean seinen bunten Verzierungen entspinnen sich Narrationen über denkaschubischen Grenzraum, die darin ausgetragenen Konflikte sowiedie kulturellen Revitalisierungsprozesse, gelegentlich gaukeln diefloralen Muster vor, sie entstammten einer uralten kaschubischenTradition.
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Dieser Essay ist eine aktualisierte Fassung eines Vortrags, den die Auto-rin auf der 6. Jahrestagung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaftvom 8. bis zum 10. Oktober 2020 an der Europa- Universität Viadrina inFrankfurt/ Oder gehalten hat.
Timothy Morton: Ökologisch Sein. Berlin 2020, S. 126.
Vgl. Martin Scharfe: Signatur der Dinge. Anmerkungen zu Körper-welt und objektiver Kultur. In: Gudrun M. König( Hg.): Alltagsdinge.Erkundungen der materiellen Kultur. Tübingen 2005, S. 91–116.Ruth- E. Mohrmann: Können Dinge sprechen? In: Rheinisch- westfä-lische Zeitschrift für Volkskunde 56, 2011, S. 9-26.