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110 (2007) / N.S. 61
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LXI/ 110

Petermandl die Verbindung zwischen antiker und moderner Rezeption. Inihren Beiträgen legen sie besonderes Augenmerk auf Politik und Gesell-schaft und bieten dabei interessante Anknüpfungspunkte zwischen antikenRitualen und modernem Sportverständnis. Die beiden zeitgeschichtlichgeprägten Beiträge aus Deutschland und Österreich, vertreten von SwantjeScharenberg und Rudolf Müllner, zeigen treffend zwei oftmals wenig be-achtete Problematiken des Stadions: Am Beispiel der tragischen Ereignisseder Münchner Olympiade 1972 präsentiert Scharenberg das Stadion alspolitischen Versammlungsort, während Müllner die sportpolitischen Impli-kationen innerhalb der Baukonzeption des Wiener Praterstadions( heuteErnst- Happel- Stadion) im ,, Roten Wien" der 1930- er Jahre ausführt.

Der zweite Teil des Bandes präsentiert vor allem die politischen Implika-tionen im Zusammenhang mit dem Ort Stadion. Camiel van Winkel beleuch-tet dabei historisch die ,, Masse Mensch im Stadion und zeigt die Verände-rung von politischen Massenveranstaltungen mit Aufmärschen und Feiernzur pazifizierten Gegenwart verbunden mit der medialen Inszenierung derStadien und ihrer( Fußball-) Spiele durch überdimensionale Fernsehstudios:Nach seinem Dafürhalten wurde ,, die Masse zerstreut, zerlegt und nachHause geschickt", wie er sehr drastisch formuliert( S. 255). Bernhard Hachleit-ner und Uwe Mauch behandeln innerhalb ihrer jeweiligen sich thematischähnelnden Beiträge das Stadion unter dem Aspekt des Gefängnisses für politi-sche Häftlinge. Beide fragen nach den möglichen Anknüpfungspunkten zurGemeinsamkeit der Begriffe Gefängnis und Überwachungsanlage unduntermauern ihre Thesen historisch mit zahlreichen tragischen Beispielen( Chi-le 1973, Afghanistan oder das ,, Maksimir- Stadion in Zagreb). In diesemZusammenhang beschreiben beide auch das Stadion als Ort des Gedenkens, daohne das Ritual des Gedenkens eine Rückkehr zur sportlichen Praxis an diesemOrt nur schwer möglich sei. Max- Morten Borgmann und Markus H. W. Flohrwidmen sich in ihrem Text den Stadionnamen unter besonderer Berücksichti-gung der Fankultur und erörtern, welche Kriterien zur Benennung von Fußball-stadien grundlegend sein können. Die Konflikte zwischen Fans und Ver-einsfunktionären in Namensfindungen sind ebenso erwähnt wie die positive undnegative Mythologisierung( ,, Wembley oder, Heysel) der Stadien durchEreignisse auf und abseits des Fußballfeldes. Markus Pinter beleuchtet diepolitische Repräsentationsbühne( Ehrentribühne) im Stadion und erkennt dabeiunter anderem, dass Politiker durch die( mediale) Popularität des FußballsportesStadien für die politische Selbstdarstellung nützen, um gleichzeitig verschie-dene Bevölkerungsgruppen( und somit Wählergruppen) zu erreichen.

Im dritten Teil des Bandes widmen sich die Autoren der Ökonomisierungdes Fußballsportes, wobei europäische und US- amerikanische Perspektivenunterschieden werden. Zudem zeigt sich eine europäische Ökonomisie-