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110 (2007) / N.S. 61
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2007, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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Aspekte jener( männlich geprägten) Fankultur, wie beispielsweise dieUnterstützung des jeweiligen Vereins und die daraus resultierende besonde-re Atmosphäre im Stadion, tatsächlich von darin vereinzelt befindlichensexistischen, homophoben, xenophoben und rassistischen Einflüssen zutrennen sei. Repräsentieren diese Aspekte der Fankultur möglicherweiseeinfach nur die Kehrseite der Medaille? Inwieweit sind Fußballsport undFankultur ohne diese als negativ wahrgenommenen Aspekte überhauptdenkbar und möglich? Diese Fragen vermag der von Mathias Marschik( Kulturwissenschafter), Rudolf Müllner( Sportwissenschafter), Georg Spi-taler( Politikwissenschafter) und Michael Zinganel( Architekturtheoretiker)herausgegebene Band nur am Rande zu beantworten, und ebenso werdenKommentare und Meinungen von VertreterInnen jener doch sehr präsentenFankulturen großteils ausgeschlossen.

Die einleitenden Aufsätze von John Bale und Jan Tabor zeigen dem Leserdie Problematiken und Kritikansätze gegenwärtiger Stadionkulturen. DerAufsatz von John Bale macht die Distanz im Fanverhalten von Familien,und jenem in der Fankurve. Macht und Kontrolle sind dabei wichtigeAspekte, um eine neue( Familien-) Fankultur zu unterstützen und damitzugleich die Sicherheit in den Arenen zu gewährleisten., Familienfanswollen Sicherheit im Stadion und verstehen einen Fußballspielbesuch alsFreizeitgestaltung. Und so wird auch diesem Umstand seitens vieler Ver-einsoffizieller durch vermehrtes Sicherheitsstreben und den Abbau vonStehplatztribünen, Rechnung getragen. Die daraus resultierende Basis einerpolitischen Instrumentalisierung des Stadions sieht Bale ähnlich problema-tisch wie die stete Verdrängung einer ,, klassischen Fankultur. Im Resümeewird des Autors Anliegen deutlich: Er opponiert nicht emotional gegen dieKommerzialisierung der Fußballkultur in den Stadien, sondern versucht, aufnegative Tendenzen aufmerksam machen.

Der Beitrag von Jan Tabor illustriert die Erwartungen, die Stadionbesu-cher an das Innere des Gebäudes stellen und konfrontiert diese mit denökonomisch geprägten Vorstellungen der Stadionarchitekten. Er erwähntbewusst Stadionkatastrophen, auch selbst wenn es paradox klingen mag--um das Bild von rowdyhaften und gewaltverherrlichenden Fanmassen zurelativieren. Als weitaus größeres Problem sieht er das im Stadion ausgeleb-te chauvinistische und rassistische Gedankengut, wobei er hier treffenddarauf verweist, dass es oft nur ein kleiner Teil der Fans ist, der sich nachRadikalismen orientiert. Jedoch reichen jene wenigen Gruppierungen aus,um öffentlich ein negatives Bild der Fußball- Fankultur zu prägen, was, JanTabors Meinung nach, von den Medien mitverantwortet wird.

Im ersten Teil des Buches wird das Stadion als historisch politischerRaum betrachtet. Hierbei veranschaulichen Bettina Kratzmüller und Werner