Jahrgang 
110 (2007) / N.S. 61
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2007, Heft 4

Chronik der Volkskunde

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stärken und der ,, sozialisierenden gesellschaftlichen Integration förderlichsein. Im Mittelpunkt der volkskundlich- kulturwissenschaftlichen Analysenstehe zum einen der Mensch in seinem komplexen Beziehungsfeld, zumanderen werde ,, das Bild einer Gesellschaft" entworfen, das auf eine ,, inte-grierte Differenz verweist. Innerhalb dessen stellt ,, Geschlecht ein ,, dop-peltes Instrument dar: Mittels der Kategorie Geschlecht wird objektiviertesWissen über den Alltag produziert, wobei dieses den Gesellschaftsmitglie-dern als demokratisches Modell zur verbindlichen sozialen Orientierungdiene. Demzufolge ist dem volkskundlich- kulturwissenschaftlichen Wissenein ,, machtvolles soziales Potential", dem Bukett der volkskundlich- ethno-logischen Institutionen die Kategorie Geschlecht als, gesellschaftspoliti-sches Instrument" inhärent.

Mit dem Beitrag Wissen über Geschlecht: Vielfache Unterscheidungeninnerhalb der Frauen- und Geschlechterforschung beleuchtete ThereseGarstenauer( Wien) Bedingungen der geistes-, sozial- und kulturwissen-schaftlichen Wissensproduktion über Geschlecht, deren Institutionalisie-rung im akademischen Feld bestimmten( hierarchisierenden) Mustern unter-worfen ist. ,, Kanonisierende Klassiker etwa bringen neue Ein- und Aus-grenzungen, da diese in erster Linie von weißen Frauen der Mittelklasse inenglischer Sprache verfasst werden. Nach Liz Stanley und Sue Wise zeigensich die hierarchischen, arbeitsteiligen Strukturen in sozialwissenschaftli-chen Kontexten zudem in der Höherbewertung von theoretischer Forschung,im Gegensatz zu empirischer und methodologischer. ,, Theory stars" und,, keytexts leiten den Genderdiskurs an, Philosophie ist die führende Diszi-plin und Englisch fungiert als lingua franca. Eine diesbezüglich mangelndeSprachkompetenz bedeute einerseits einen gehörigen Mehraufwand undführe andererseits zu Rezeptionsungleichheiten. Im transnationalen Wis-senstransfer von West nach Ost( nach( süd) osteuropäischen Semiperipheri-en) beispielsweise übernehmen ,, westliche Importe eine wichtige Rolle. DiePetersburger Feministinnen pointierten diese Tatsache mit ,, gender is westernknowledge", wobei diese Feststellung auch jener Aussage von Marina Blago-jevič entspricht, dass theoretische Beiträge von Wissenschaftlerinnen aus den( süd) osteuropäischen Räumen in der internationalen Diskussion kaum wahrge-nommen werden. Diese Statements explizierten Garstenauers Ausführungen inHinblick auf die vielfältigen Unterscheidungen innerhalb der Frauen- undGeschlechterforschung und der damit einhergehenden Ungleichheiten.

Roswitha Breckner( Wien) spannte den Kommentar an den Begriffen,, Erfahrung und, Ambiguität auf. Sie thematisierte das Verhältnis vonInhalt und Form bezüglich wissenschaftlich- akademischer Formate, indemsie nach den ausgegrenzten Gegenständen in androzentrisch bestimmten,sprachzentrierten Wissenschaftsformaten fragte: Assoziatives? Poetisches?