2007, Heft 4
Mitteilung
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lässiger Zeuge die zweite, in der Eiswelt mit Christbaum gefeierte Weih-nacht im Jahr 1873:
,, Ende December kehrte auch für uns Bewohner des Eismeeres die Zeitjener Feste wieder, welche die gesammte christliche Welt in Bewegungbringen Weihnachten und Neujahr. Um sie gemeinsam und würdig zubegehen, hatten wir ein Haus aus Schnee erbaut, sein Inneres mit Flaggengeschmückt und mit einem Christbaum, der eigentlich nur ein hölzernerIgel oder ein spanischer Reiter war. Um sechs Uhr Abends waren alleVorbereitungen zu Ende; die Schiffsglocke, trostlos hallend in die finstereNebelluft, rief uns hinaus auf das Eis in die blendende Pracht unsererSchneehöhle. Hier fand die Mannschaft einige jener Ueberraschungen,womit sie das gezogene Los bescheerte: eine Partie Cigarren, Uhren,Messer, Holzpfeifen, etwas Rum u.dgl., Geschenke, welche wir Freundenaus Wien, Pola und Hamburg verdankten. Höher im Werthe als allesAndere stand ein Stückchen Seife; ihr Anblick war sehr selten geworden.Darauf folgte das Festmahl, wie im vorigen Jahre; doch es war sozusagenNiemand mehr recht bei der Sache, zu lange schon waren wir abwesendvon der Heimat, nur unsere Leiber waren noch gegenwärtig, der Geistwar aus ihnen entflohen und weilte unter den fernen Freunden." 12Früher, in der Biedermeier- Zeit war der hölzerne Christbaum noch allge-mein verbreitet, wie zum Beispiel auf einem Stich eines Nürnberger Bilder-bogens aus dem Jahr 1820 zu sehen ist. 13 Solche Bäume konnten ausSparsamkeit mehrere Jahre lang benutzt werden, bis sie endgültig vom zumSymbol der Weihnacht werdenden Tannenbaum verdrängt wurden. Im letz-ten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden hölzerne Christbäume nur mehr alsErsatz für Tannenbäume auf Schiffen benutzt.
70 und der Polar- Expedition von 1871. Wien 1876, S. 64–67.12 Payer( wie Anm. 11), S. 180–181.
13 Weber- Kellermann, Ingeborg: Das Weihnachtsfest. Eine Kultur- und Sozialge-schichte der Weihnachtszeit. Luzern/ Frankfurt am Main 1978, S. 112; Mantel( wie Anm. 1), S. 150, Abb. 46-47.