Aufsatz in einer Zeitschrift 
Mythos Czernowitz
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Andrei Corbea- Hoisie

ÖZV LXI/ 110

Erziehungsprinzipien verfahren konnte. Man lese dazu nun den neu-lich erschienenen Briefwechsel zwischen Ilana Shmueli und demDichter Paul Celan dem in den 60- er Jahren wieder getroffenenFreund aus Czernowitz, den sie während seiner Israelreise 1969begleitete und dem sie bis kurz vor seinem Freitod am nächstengestanden hatte-, um die leidenschaftliche Reife ihrer Persönlichkeitzu entdecken, die sich das Authentische im Denken und Fühlen zumhöchsten Gebot machte.

Der Prosastil der deutschschreibenden Ilana Shmueli lässt aufseine Weise erkennen, dass die Memoiren- Autorin bestrebt ist, ihremGedächtnis möglichst unverstellt Ausdruck zu verleihen. Die kurzen,schmucklosen Sätze versuchen flüchtige, manchmal traumähnlicheBilder zu versprachlichen, deren verschwommene Konturen dankeiner gelungenen Balance zwischen einfühlender Erinnerung undscharfsinniger Nüchternheit dennoch eine, Konsistenz jenseits desbloßen Zeitzeugnises erhalten. Die beträchtliche literarische Bega-bung zeigt sich in der meisterhaft inszenierten Erzählweise, in der dieDistanz, mit der die Fakten beurteilt werden, in die naive Perspektivedes Kindes eingebunden ist dies erinnert an Gregor von RezzorisHermelin in Tschernopol und Blumen im Schnee, wo übrigens solchesebenfalls von einer im Namen zweier Geschwister artikulierten,, wir-Erzählung unternommen wird. Damit wird ein breites Spek-trum von Czernowitzer Typen, von den zahlreichen, Tanten, mitihren fast grotesken Allüren, bis zum rumänischen Musiklehrer Flo-rescu, für den dem verordneten Antisemitismus zum Trotz die Liebezur Kunst nur als Menschenliebe taugte, meisterhaft skizziert. Jeneständige Versuchung ,,, schon im frühen Alter" die anderen und sichselbst ironisch zu beobachten, verirrt sich dabei nie in den Bereichdes abwertend Zynischen; alles andere als etwa Liebesentzug bedeu-tet jene kritische Zeichnung ihrer Nächsten, die die( in der Hegel-schen Diktion sogenannte) ,, List der Geschichte für die eigenenSchwächen einen ungerecht hohen zuweilen grausamen Preis,- wiees bei der Omama aus Wien geschah-, zahlen ließ. Dieses Allzu-menschliche nicht zu verschweigen, sondern ans Licht zu bringenund, wenigstens versuchsweise, seinen Folgen abzuwägen, heißt

für Ilana Shmueli, es, um der Menschen Willen, zu würdigen.