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Mythos Czernowitz
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2007, Heft 4

Mythos Czernowitz

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importiertes Beamtentum, das für die reibungslose Bewirtschaftungdes ehedem moldauischen Bezirks der Monarchie sorgen sollte, undallerdings seinen aufklärerischen Glauben in der Überlegenheit derZivilisation gegenüber der Natur, sowie an eine vermeintliche Kul-turmission Österreichs gegenüber den Naturvölkern Glossar ::: zum Glossareintrag  Naturvölkern des Ostens mit-brachte. Das vom Josefinismus durchgesetzte Deutsch gehörte zu denwichtigsten Bestandteilen des Czernowitzer Gründungsmythos: esgalt hier auch als unverkennbares Idiom einer, sei es auf kolonialeArt aufgezwungenen Modernisierung, deren Erfolg in den städti-schen Enklaven stets von dem Misstrauen der umgebenden ländlichenBevölkerung begleitet wurde. Zu einem gewissen Zeitpunkt konntedie österreichische Öffentlichkeit die Brisanz der ungewöhnlich ra-schen Entwicklung der städtischen Strukturen in Czernowitz im Ver-hältnis zu einer noch sehr nahen Vergangenheit unter dem Zeichenorientalisch Glossar ::: zum Glossareintrag orientalisch- patriarchalischer Zustände, aber auch gegenüber einerUmgebung, die gegen die kapitalistische ,, Verwestlichung" weiterhinhartnäckigen Widerstand leistete, nicht weiter ignorieren. Ihre Reak-tion drückte sich in einer immer deutlicheren Trennung zwischenzwei gegensätzlichen ,, Welten aus, die in der Bukowina, am östlich-sten Rand der Monarchie, zur Koexistenz verurteilt schienen. Imbisher undifferenzierten Stereotyp des, Ostens" öffnete sich damiteine keinesfalls unbedeutende Bresche.

Jenes identitätsträchtige Emblem des, imaginierten Westens imOsten", das an dem Schnittpunkt von um 1850 bezeugten Fremd- undSelbstbildern der Bukowiner Hauptstadt entsteht, weist auf eineInsularität hin, deren latentes Konfliktpotential in den nächsten Jahr-zehnten von den selbstsicheren, vom Gedanken ihres ,, europäischenDaseins erfüllten Bürgern eines urbanen, sich zum Wiener Modellbekennenden Gebildes meist verkannt wurde. ,, Die Bukowina ist jetzteine merkwürdige deutsche Oase, in einer Gegend, wo man es nichterwarten sollte. Dem aus der russischen Steppe und dem ärmlichenGalizien kommenden Reisenden fallen die freundlichen Städte mitdeutscher Bildung und guten Buchhandlungen sehr auf, noch mehraber dem, der aus der noch ziemlich türkisch aussehenden Moldauund Walachei kommt". 15 Die Vorgänge in der 1849 zum Status einesautonomen Kronlandes erhobenen Provinz brachten in der zweiten

15 Neigebaur, Johann Ferdinand: Beschreibung der Moldau und Walachei. Leipzig1848, S. 366.