2007, Heft 2-3
Psychoanalyse ist keine philologische Interpretationsmethode
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ein gesellschaftsfähiges, ein nicht von Violence getriebenes Wesenaus ihm wird, und: wie lebt man seinen Traum und: wie liebt mangestellt in einem Gewirr von Widersprüchlichkeiten- denn die Sen-sibleren der Jungen erlebten sich selbst ebenfalls als Teil der deut-schen Gewalt, die irgendwo in einem steckte. Vollkommen uninstitu-tionell- man kann sagen in ,, wilder Analyse"- wurden diese Fragenin den studentischen Zusammenhängen die Nächte hindurch disku-tiert; in vollkommener Anarchie, ohne irgendeine Supervisions- Auto-rität; belebend und gefährlich. Öffentliche Räume und Betten stattCouch: studentische Psychoanalyse der 60- er.
Als ich ,, Männerphantasien“ geschrieben habe, im Alter von 30,35 war ich ja auch nichts als ein Long- Time- Student mit dieserpolitischen Geschichte; fünf Jahre Uni- Aufmischung und politischerStraßenaktionen hinter mir und zwei, drei Jahre freier Mitarbeit ineiner Radiostation, Südwestfunk. Erst später ist man ja jemand miteinem Doktortitel.
Einwurf aus dem Publikum: Sie haben mit Ihren Aktionen und Bü-chern dazu beigetragen, dass wir heute die Adoleszenz als eine Phasebetrachten, die weit bis in die 30- er reicht...
Genau. Ganz schön. Eltern im alten Sinne wollten wir nicht sein;adoleszente Eltern mit 30 also. Während ich an den Männerphantasi-en schrieb, haben wir unser erstes Kind groß gezogen. Ich bin zuHause geblieben und meine Frau hat als Psychologin angefangen inder Kinder- und Jugendpsychiatrie, in der Freiburger Universitäts-klinik. Nicht mehr ,, wilde Analyse". Später wurde sie Psychoanaly-tikerin. Wodurch ich immer mit praktischer psychoanalytischer Ar-beit verbunden war, nicht nur aufs Lesen von Büchern und Abhand-lungen angewiesen. Und praktizierender Hausmann dazu, Kleinkindkrabbelnd drum herum, also- notwendig- auch Kleinkindforscherund selber spielendes Kind. Dass die eigenen Eltern aus dem Klein-kindstadium der eigenen Kinder so gut wie nichts erinnerten und zuberichten wussten, war mir immer eine der größten Unheimlichkei-ten: Hatten die denn nicht hingesehen, was die Kleinen am Boden datrieben? Der reine Wahnsinn. Nein, sie hatten nicht hingesehen; manmachte das nicht; Kleinkinder wurden erzogen, nicht interessiertbeobachtet und schon gar nicht als Wesen, von denen man lernenkonnte. Sie begegneten ihrer Selbstüberforderung durch Wegsehen,