2007, Heft 2-3
Dämonen und Schreckgestalten der Kindheit
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Säuglingen aufmerksam gemacht, die den zumeist zähflüssigen Breierbrechen.61 Da Kinder in diesem Alter noch nicht zwischen derNahrung und jener Person unterscheiden, welche die Nahrung zu-führt, kann man das Konzept der» guten«< und der» bösen«< Brust auchhierauf beziehen.
Überhaupt ist es sinnvoll, sich in die Lebensbedingungen und diesozialen Umstände der damaligen Zeit hineinzuversetzen. Die vor-wiegend manuelle Tätigkeit der Landbevölkerung und der Arbeiter-schaft war zeitaufwändig und mühsam. In Anbetracht der gegenüberheute geringen Erträge der Äcker war es sinnvoll, darauf zu achten,dass das Korn nicht niedergetreten wird. Und die Kinder suchen zumüssen, weil sie sich in weitläufigen Kornfeldern verirrt haben, warmühevoll. Also strebte man danach, sie durch möglichst ,, effektive"Maßnahmen und ohne vielfältige Erklärungen vom Betreten derFelder abzuhalten. Das wird allerdings nicht immer ohne seelischeBlessuren abgegangen sein, und wenn wir Richard Beitls Habilitati-onsschrift lesen, bekommen wir davon eine Ahnung. Verstehen wirdie Schreckgestalten als symbolische Repräsentanten von Bezie-hungserfahrungen bzw. als Projektionen, dann erzählen sie uns auchetwas von den verinnerlichten ,, Gespenstern", die in der Kindheit um1930 ihr Wesen und Unwesen getrieben haben- und es in veränderterForm vielleicht auch heute noch tun, wie die folgenden Erinnerungeneines 30- jährigen Mannes an die Disziplinierungsversuche seinerEltern zeigen:
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,, Das gelbe Krokodil wurde uns, meiner älteren Schwester und mir,im Kindergarten- bzw. Volksschulalter, von meinem Vater des Öfterenangedroht, falls wir nicht, brav' sein sollten, falls wir es zu bunt'trieben: sonst hol ich das gelbe Krokodil!“, mag ein paar Mal alsAbschreckung und Disziplinierungsmaßnahme funktioniert haben,aber nicht allzu lange. Denn nach unserer kindlichen Logik wohntedas gelbe Krokodil in der knallgelben Sporttasche meines Vaters, dieer stets zum Fußballspielen mitnahm[...]. Auf jeden Fall entdecktenmeine Schwester und ich, durch angstvolle Neugierde getrieben, dassin der gelben Sporttasche gebrauchte Wäsche war und keinesfalls einKrokodil wohnte. Der Schreck verlor seine Wirkung, und wir mach-ten uns über den Vater lustig. Der aber trieb das Spiel weiter[...], bis
61 Ottmüller, Ute: Speikinder- Gedeihkinder. Körpersprachliche Voraussetzungender Moderne. Tübingen 1991, S. 8f.; S. 38-50.- Den Hinweis auf Ottmüllerverdanke ich Elisabeth Timm, Wien.