2007, Heft 2-3
Dämonen und Schreckgestalten der Kindheit
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Christoph Haitzmann, der sich in einem Akt der Verzweiflung demTeufel verschrieben habe und später von schrecklichen Krämpfenbefallen worden sei. Freud hält die Dämonen für ,, böse, verworfeneWünsche, Abkömmlinge abgewiesener, verdrängter Triebregungen.Wir lehnen bloß die Projektion in die äußere Welt ab, welche dasMittelalter mit diesen seelischen Wesen vornahm; wir lassen sie imInnenleben der Kranken, wo sie hausen, entstanden sein“.49 Aufgleiche Weise hat Freud in seinem Aufsatz ,, Das Unheimliche" denbösen Blick zu erklären versucht: ,, Wer etwas Kostbares und dochHinfälliges besitzt, fürchtet sich vor dem Neid der anderen, indem erjenen Neid auf sie projiziert, den er im umgekehrten Fall empfundenhätte. 50 Diese Sicht ist durchaus kompatibel mit Piagets Theorie,denn auch dort geht es um Projektionen bzw. um nicht- rationale,magische Querverbindungen zwischen Subjekt- und Objektsphäre.51Wenn man akzeptiert, dass die Projektion verdrängter Triebre-gungen ein Erklärungsansatz für die Existenz von Gestalten aus demBereich des Volksglaubens sein kann, dann findet man auch einenmöglichen Zugang für die Korndämonen und Schreckgestalten, vondenen Richard Beitl berichtet. So werden um 1930 in Böhmen dieKinder vor der Mittagsfrau mit den Worten gewarnt, sie schlage ihnenNägel in die Ferse ein, wenn sie das Kornfeld betreten.52 In Ost-preußen schneidet das Roggenwief den Kindern mit einem langenMesser kurzerhand den Kopf ab, und im Sorbischen zersägt dieRoggenmuhme die Kinder oder schlachtet sie, nachdem sie diesegefangen hat. 53 Vor allem die letztgenannten Beispiele könnte man inBezug setzen zu frühen, präödipalen Erlebnismustern auf der Ebeneder Grundstörung. 54 Dafür spricht auch ein anderes Wesen aus demillustren Kabinett der Schreckgestalten, das Zitzenweib Glossar ::: zum Glossareintrag Zitzenweib. Oftmals hatsie eiserne Brüste und drückt damit die Kinder tot, 55 mitunter werden
49 Freud, Sigmund: Eine Teufelsneurose im 17. Jahrhundert. In: Studienausgabe,Bd. 7: Zwang, Paranoia und Perversion. Frankfurt am Main 1973( Orig. 1923),S. 283-319, hier: S. 287.
50 Freud, Sigmund: Das Unheimliche. In: Studienausgabe, Bd. 4: PsychologischeSchriften. Frankfurt am Main 1970( Orig. 1919), S. 241-274, hier: S. 262.51 Allerdings grenzt sich Piaget teilweise von Freud ab; siehe Piaget( wie Anm. 38),S. 128ff.
52 Beitl( wie Anm. 1), S. 36.
53 Beitl( wie Anm. 1), S. 41f.
54 Vgl. dazu Balint, Michael: Therapeutische Aspekte der Regression. Die Theorieder Grundstörung. 2. Aufl. Stuttgart 1997.