Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde110 (2007) / N.S. 61Kubik, Gerhard: „Floating" – eine ethnopsychoanalytische Feldforschungstechnik

  
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„Floating" – eine ethnopsychoanalytische Feldforschungstechnik
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Gerhard Kubik

ÖZV LXI/ 110

sich dann auch unvermeidlich gruppendynamische Prozesse einstel-len- in- group versus out- group- die sich einem tieferen Eindringenin die lokale Kultur entgegenstellen. Kann man es nicht vermeiden ineiner größeren Gruppe zu forschen, dann soll man die Gruppe im Feldaufspalten und ihre Mitglieder an verschiedenen Orten arbeiten las-sen. Im Rahmen einer offiziellen Einladung nach Angola, 1982, umdort ein Sechs- Wochen- Seminar ,, Introdução à Metolodologia dasPesquisas Culturais" abzuhalten, verteilte ich die 35 studentischenTeilnehmer in verschiedene Dorfgemeinschaften bei mindestens 30km Abstand, solo oder zu zweit, je nach Wunsch. Mobiltelephone gabes damals noch nicht; heute müsste man Methoden ersinnen, um auchdiese Form der Kommunikation nur auf Notfälle zu beschränken.

Eine konsequente Durchführung der Forschung im Sinne der bei-den dargestellten ethnopsychoanalytischen Methoden erfordert, dassman sich während der Zeit total der Gemeinschaft widmet, die manuntersuchen will, da man ja von ihr auch die totale Teilnahme an derForschung verlangt. Und dies macht sich bezahlt, denn nach einigerZeit werden im Sinne der ,, floating"-Technik auch wissenschaftlicheProbleme gemeinsam erarbeitet und diskutiert. Sehr bald habe ich mitLeuten in Angola, und in jüngster Zeit( 2003-2005) in Tanzania undMalawi das Thema der Tabus diskutiert und wir haben gemeinsamgeforscht, was hinter all diesen Tabus wohl steckt. 18 Meine Erfahrungin vielen europäischen Gemeinschaften war, dass man im Augenblickwo man die Sprache einigermaßen spricht, überall im lokalen RaumPersonen findet, mit denen man die aufregendsten wissenschaftlichenProbleme diskutieren und auch lösen kann.

Danksagung

Die jüngsten Forschungen, die den ethnopsychoanalytischen Ansatzvertieften, wurden in Uganda, Tanzania und Malawi im Rahmenunseres Projekts P 15007( East African Traditions of Kingship, Chief-ship and Ritual), finanziert vom Wissenschaftsfonds Wien, durchge-führt. Die Mitarbeiter waren Moya Aliya Malamusi, Charles Sekintu,Albert Ssempeke, Albert Bisaso, Kayambo kaChinyeka, MonicelaGervas Mgaya, Mose Yotamu und andere. Ihnen allen sei herzlichgedankt.

18 Siehe auch mein jüngstes Buch, Kubik: Tabu( wie Anm. 7).