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Gerhard Kubik
ÖZV LXI/ 110
führen zum Erkennen und Verstehen grundlegender Symbolismen ineiner Kultur. 14
Aber auch wenn die Analytiker sich auf Wunsch der Leute vor-zugsweise über Themen unterhalten, die die letzteren interessieren,zum Beispiel etwas über die Heimat der Besucher zu erfahren, überMenschen und Kulturen dort, werden Einfälle stimuliert und damitdas Unbewusste in den Gesprächspartnern. Nicht selten folgt eineAssoziation dann auf die andere, und es wird nie langweilig; imGegenteil, man stößt in immer tiefere Bereiche vor, wobei auch diewirklichen Probleme der Leute nach und nach zur Sprache kommen,weil der Analytiker längst Teil der lokalen Gemeinschaft gewordenist und sie sich von seinem psychologischen Verständnis und seinerBildung auch Rat erhoffen. In vielen dieser strafferen Gespräche hältder Analytiker Testmittel in der Hand, die sich darauf gründen,Einfälle und Affekt- Reaktionen zu provozieren. So erfährt er bald,wo es in dieser Gesellschaft ,, tickt".
Maurice Djenda und ich haben das zum ersten Mal bei unseremGastgeber Justin Nchibamba, in Linjombo, am Sangha- Fluss, Zen-tralafrikanische Republik, 1966, durchexerziert. Der Zufall wollte es,dass wir in seinem Hause gemeinsam in einem Zimmer untergebrachtwaren, das von seinem und seiner Frau nur durch eine Lehmwandgetrennt war, die nicht bis zum Dach hinaufreichte. So konnte mansich über die Wand hinweg am Spätabend vor dem Einschlafenunterhalten. Das war eine ideale Situation. Er lag sozusagen auf derCouch und ließ seinen Gedanken freien Lauf; wir- die beiden Analyti-ker waren für ihn unsichtbar, aber sehr deutlich zu hören. WährendMaurice und ich das Gespräch in stillschweigender Übereinkunft struk-turierten und auch ausgiebig davon Gebrauch machten, dem JustinReizinhalte zuzuspielen( bis zur Frage, warum ,, die Chinesen“ so zahl-reich sind, etc.) konnte ich ungesehen mitstenographieren, was er sagteund wie er reagierte. Seine Frau, die neben ihm auf dem gemeinsamenBett lag, war unbeteiligt, denn sie verstand kein Französisch.( ImGegensatz zu Angola musste ich hier mit den Leuten in der Koloni-alsprache konversieren). So spielte sich das Gespräch ziemlich hem-mungslos unter Männern ab. Ich glaube, es hat uns phantastische
14 Vgl. meine Analyse einer Rätselsitzung in der Lucazi- Sprache, Nordwest- Zam-bia, Gerhard Kubik: A Luchazi riddle session. Analysis of recorded texts in aSouth- Central African Bantu language. In: South African Journal of AfricanLanguages 12, 2( 1992)( May), S. 51-83.