2007, Heft 2-3„ Floating"- eine ethnopsychoanalytische Feldforschungstechnik
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eines landwirtschaftlichen Betriebes führten. 13 Die Forscher sinddabei nicht nur rezeptiv, sondern versuchen aktiv von sich aus Dingezur Sprache zu bringen. Die Reaktionen der Gesprächspartner aufsolche Einwürfe sind spontan. Manchmal macht man auch witzigeBemerkungen, für die die Leute letzten Endes dankbar sind; esentspinnt sich so eine lebhafte, für alle Teile interessante Atmosphäre.Es kann auch zu Diskussionen, zu einem Streitgespräch kommen; dasWichtigste dabei ist aber, dass der Analytiker/ die Analytikerin eineeigene emotionale Beteiligung nur spielt, vortäuscht. Man ist nichtwirklich involviert. In diesem Sinne sind Reiz- Themen, Reizphrasen,ja Reizwörter, die man einwirft, nicht notwendigerweise Teil einessinnvollen Zusammenhanges, sie folgen keiner rigorosen Logik. Ei-gentlich sind sie dadaistisch, um hier auf die Dadaismus- Bewegungund ihre Kunst in Zürich 1916 anzuspielen. Tristan Tzara hatte ich inLourenço Marques, Moçambique, 1962 noch persönlich im Hausedes Architekten Pancho Guedes kennengelernt.
So skurril diese Einwürfe manchmal sein mögen, von den Ge-sprächspartnern- die das ja nicht wissen werden sie immer alsernstgemeint interpretiert. So reagieren sie darauf, zustimmend oderbetroffen, versuchen manche Inhalte zu widerlegen, verneinen wassie als Zumutung empfinden oft mit heftigem Affektaufwand, wäh-rend der Analytiker eigentlich nur die Reaktionen studiert. Manchmalwird das auch offensichtlich, denn plötzlich lachen alle. Da diesesSpiel auch Spaß macht, hält es die Gespräche im Fluss.
Mir ging es bei der Entwicklung dieser Technik um einen strafferenAnsatz und mehr Zügigkeit in den psychoanalytisch orientiertenGesprächen, um auf diese Weise eine größere Informationsdichte zuerhalten. Man kann solche Gespräche auch schon beim Erlernen derSprache inszenieren. Wenn die Analytiker daran ehrliches Interessehaben, lässt sich der Sprachunterricht selbst zu einem psychoanalyti-schen Gespräch umgestalten. Es ist erstaunlich, wie ein solcher An-satz besonders im Kontakt mit Kindern unerhörte Einfälle mobili-siert, Vokabel und Phrasen zutagebringt, die sehr wohl tiefenpsycho-logische Einblicke gewähren. Ich erlebte dies alles als ich 1965überwiegend von Kindern in Südostangola die Mbwela- Sprache zulernen begann. Auch formelle Sprachübungen wie etwa beim Rätseln
13 Cf. Djenda, Maurice, Gerhard Kubik: Monsieur Nchibamba. Erinnerungen anein psychoanalytisches Gespräch in der Zentralafrikanischen Republik, Mai1966. Unveröff. MS, o.J.