Aufsatz in einer Zeitschrift 
Heimatsache : eine Spurensuche zum 100. Geburtstag von Hanns Koren
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Museum. Er übernimmt dabei symbolisch die Rolle des Familienoberhaup-tes, die MuseumsmitarbeiterInnen bilden gleichsam die Familie und dieBüro- und Ausstellungsräume werden anstelle von Küche, Stall und Vor-ratskammer durchschritten.

Ein Projekt, das zwar nicht direkt mit der Museumsarbeit von HannsKoren zusammenhängt, das aber ohne den Volkskundler und KulturpolitikerKoren nicht diesen positiven Verlauf genommen hätte, ist die Realisierungeines Österreichischen Freilichtmuseums.

In der Steiermark wird erstmals im Jahr 1908 der Wunsch nach einemFreilichtmuseum ausgesprochen und zwischen dem Museumsdirektor An-ton Rath und dem Philologen Rudolf Meringer öffentlich diskutiert. AlsGelände fasst man den Leechwald ins Auge. Dieser Plan wird aus Geldman-gel allerdings nicht realisiert. 1911 lässt der Präsident des Gewerbeförde-rungsinstitutes, August Einspinner, mit einem besonderen Vorschlag aufhor-chen: Ein altsteirisches Bauernhaus soll im Garten des Joanneums zwischenRaubergasse und Kalchberggasse aufgestellt werden. Die Umsetzung schei-tert am Einspruch des Kuratoriums des Landesmuseums.

Auch Viktor Geramb ist die Errichtung eines steirischen Freilichtmu-seums ein besonderes Anliegen. Bald nach Gründung des Volkskundemu-seums gestaltet er den Innenhof in der Art eines kleinen Freilichtmuseums.Um 1929 begeistert ihn ein Areal am Rosenhain, für das er sogar bereit wäre,das Museumsgebäude in der Paulustorgasse zu verkaufen. Nach anfängli-cher Zustimmung fällt dieses Projekt der Parteipolitik zum Opfer. 1931widmet die Landesregierung die Schlossberggründe hinter dem Volkskun-demuseum für ein Freilichtmuseum. Geramb unternimmt einen letztenVersuch, seine Vision umzusetzen, doch auch dieser Plan wird nicht ver-wirklicht. Über ein gesamtösterreichisches Freilichtmuseum wird schon1910 in Linz, später, um 1955, auch in Wien diskutiert, bevor es gelingt,diese Idee in der Steiermark zu realisieren. Hanns Koren ist zu dieser Zeitnicht mehr im Museum, sondern bereits in der steirischen Kulturpolitik tätig.Die fachliche Auseinandersetzung und das lange Ringen um die Verwirk-lichung eines Freilichtmuseums sind dem Wissenschafter Koren aber durch-aus bekannt. Er kann die zuständigen Politiker Landeshauptmann JosefKrainer und Minister Heinrich Drimmel überzeugen und damit 1962 dieGründung erreichen. Das Österreichische Freilichtmuseum in Stübing wirdschließlich 1970 eröffnet. Mit dem Aufbau und der Leitung des neuenMuseums betraut Koren den Volkskundler Viktor Herbert Pöttler. Das Frei-lichtmuseum ist nur ein Beispiel dafür, dass Hanns Koren nach seinemschrittweisen Rückzug aus der Wissenschaft seine wachsende Bedeutung inder Kulturpolitik in der Folge vermehrt zum Wohle der Volkskunde in derSteiermark eingesetzt hat.