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Monika Vrzgulová und Katarína Popelková
ÖZV LXI/ 110
bauern in der Stadt Modra in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundertswerden als eine wirtschaftlich, ethnisch und konfessionell differen-zierte Gruppe von Weinbauern und Weinhändlern definiert, denen derBesitz des für den Weinanbau genützten Bodens ausreichenden Un-terhalt brachte. Als Teil des alten Mittelstandes bildeten sie den Kerndes hiesigen Bürgertums.
Fast drei Fünftel von etwa fünftausend Einwohnern lebten zuBeginn des 20. Jahrhunderts in Modra vom Weinbau. Weinbergbesit-zer, sie sind als städtische Weinbauern Gegenstand meiner Forschung,stellten ein Zehntel dar. Durch die Verbindung von Herstellung undHandel kommen sie, zwar historisch mit dem Boden verbunden,durch Produktionsorganisation, Wirtschaftsergebnisse und rechtlichaber marktorientiert, dem Gewerbe nahe( Kahounová 1970, S. 12).Dies zwang die Weinbauern zu Flexibilität und Anpassungsfähigkeitbei wirtschaftlichen Änderungen seitens des Staates, die ihre Stellungals Unternehmer und Arbeitgeber stark prägten. Es war daher erfor-derlich, ständig und durchdacht im eigenen Interesse und in jenemder Gruppe in die Führung der Angelegenheiten der Stadt einzugrei-fen und sich im lokalen gesellschaftlichen Bereich positiv zu präsen-tieren. Die Breite der Aktivitäten dieser Gruppe prägte und bedingteihr Wertesystem und verband sie mit dem überregionalen Geschehen
klimatischen Bedingungen lange Anbautradition an und nutzte im 14. und 15.Jahrhundert die mehrfache deutsche Kolonisierung als Aufschwungsimpuls. Fürdie geografische Region der Kleinen Karpaten ist der städtische Weinbau alswirtschaftlich- kultureller Typus kennzeichnend, der auch in das heutige Nieder-österreich, Burgenland und in einen Teil Südmährens übergreift. Der städtischeWeinbau unterscheidet sich von dem zum Eigenverbrauch bzw. als Nebenein-nahmequelle in landwirtschaftlichen Regionen betriebenen Weinbau durch seineOrientierung auf den Weinhandel, das Bestreben zur Kapitalakkumulation, denEinsatz der unteren Schichten der Stadtbevölkerung als Arbeitskraft, sowie durchsonstige äußere Merkmale( z.B. Entwicklung spezifischer Verarbeitungstech-nologien, Unterbringung von Weinpressen und Kellern zur Herstellung undLagerung der eigenen Produktion und direkt in den eigenen befestigten Häusern)innerhalb der Stadtmauern. Die Gruppe der selbstständigen Weinbauern( denenWeinbau und Weinhandel als Lebensunterhalt für die gesamte Familie dienten) wurdezur Basis für das Entstehen eines wohlhabenden Patriziats und selbstbewußtenBürgertums. Den wirtschaftlichen Höhepunkt erlebte sie im 17.- 18. Jahrhundert undihre Geschäfte erstreckten sich auf den gesamteuropäischen Raum.Später mit der Kapitalisierung der Wirtschaft wurde die Gruppe ärmer, wirt-schaftlich differenzierter und sozial breiter: Der wohlhabende Kern wurde immerkleiner.