2006, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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der Volkshochschule auf dem Weg zum„ städtischen Bildungskonzern"( S. 132).
Leider bietet die vorliegende Darstellung nahezu keine Möglichkeitzum- wenigstens punktuellen- Vergleich mit anderen Städten und derenVolksbildungseinrichtungen bzw. anderen Traditionen der Volksbildungs-arbeit generell. So beschränkt sich dieser Band der„, Enzyklopädie desWiener Wissens“ ganz auf die Wiener Verhältnisse und liefert damit einenwertvollen und gut aufbereiteten Beitrag zur Bildungsgeschichte der Stadt.Nicht nur der an den Schluss gestellte Ausblick zur ,, Gegenwart Zukunft"lässt erkennen, dass es sich dabei auch um ein engagiertes Plädoyer für einedemokratiepolitisch fundierte Volksbildungsarbeit handelt.
Jens Wietschorke
TREUER, Jure: Naše selo Hrvatski Jandrof. Kronika sela na prijelazu iz19. u 20. stoljeće( Unser Dorf Kroatisch Jahrndorf. Dorfchronik der Über-gangszeit vom 19ten ins 20ste Jahrhundert). Hg. BOTÍK, Ján, NikolaBENČIĆ. Hrvatsko štamparsko društvo, Slovenské národné múzeum, Žel-jezno Bratislava, 2005, 168 Seiten, zahlreiche s/ w und farb. Abb., Kart.
Kroatisch Jahrndorf wurde aufgrund des Pariser Friedensvertrags( 1947)zusammen mit zwei weiteren Dörfern aus dem Komitat Moson( Ungarn) derTschechoslowakei zugesprochen; seit 1972 ist es ein Teil von Groß- Bratis-lava. In dieses Dorf, das an der Donau, an der Wien- Budaer Hauptstraße imEinzugsbereich von Ungarisch- Altenburg und Preßburg lag, kamen im16. Jahrhundert die vor den Türken fliehenden kroatischen Familien, derenNachkommen heute in West- Ungarn, im Burgenland und in der Nähe vonPreẞburg an der ungarisch- österreichisch- slowakischen Grenze leben. ImJahr 2001 haben sich von den 1199 Einwohnern des Dorfes im Rahmen einerUmfrage 244 Personen als kroatische Muttersprachler bezeichnet( 20,4%).Im Jahr 1880 betrug der Anteil kroatisch Sprechender mit 87,6% denhöchsten Anteil. Zu dieser Zeit, als in Kultur und Sprache das Kroatischedominierte, wurde der spätere Bauer und Sakristan Georg Treuer1874 ge-boren und hier starb er auch im Jahr 1948. Er war neben seiner vielseitigenTätigkeit in der Bienenzucht und Schilfdachdeckerei auch Chronist Kroa-tisch Jahrndorfs. Ein Brief, den der Pfarrer von Jahrndorf an den Bischofvon Gyr im Jahr 1927 schrieb, um Treuer für die Auszeichnung mit demVerdienstkreuz des Lateran aufgrund der 30- jährigen Dienste als Sakristanzu empfehlen, verrät viel über die Persönlichkeit: ,, Georg Treuer kümmertsich immer um das Schmücken der Kirche und der Altäre, vor oder nach