2006, Heft 4
Chronik der Volkskunde
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steinerne Strukturen erinnert und nach Vorbildern aus Delft mit verschie-denen Motiven ergänzt wurde. Arthur Sudau zeigte anschließend eine Serievon Keramiktellern aus dem 20. Jahrhundert, die durch ihre Bemalung zuZeitzeugen auf Keramik werden. Ereignisse oder auch politische Parolen undAufrufe von der Weimarer Republik bis zur DDR sind darauf dargestellt undmachen deutlich, dass Keramik durchaus auch als ein Kommunikationsträgerfür politische Inhalte genutzt wurde. Franz Grieshofer, Österreichisches Muse-um für Volkskunde, Wien, präsentierte schließlich einen Fayencefund ausMannersdorf in Niederösterreich, der Chinoiserien in Blau als Hauptdekor-merkmal aufweist. Woher diese Keramiken stammen, ist derzeit noch unklar.
Bärbel Kerkhoff- Hader, Otto- Friedrich- Universität Bamberg, ging in ih-rem Referat unter dem Titel Form- Fläche- Oberfläche auf die Gestaltungs-kriterien bei ,, alter“ und„, neuer“ Keramik ein- ein Thema, das vor allemdurch eine Ausstellung des Bayrischen Nationalmuseum im Jahre 1926aufgegriffen wurde, die im weiteren Verlauf die immer noch aktuelle Aus-einandersetzung Handwerk- Kunsthandwerk- Industrieform bereicherte undletztlich dazu führte, dass die Regionalität des Handwerks aufgehoben unddie Keramik universell wurde. In einem weiteren Grundsatzreferat präsen-tierte Andreas Heege vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern einenumfangreichen Überblick über Töpferöfen im deutschsprachigen Raumvom 6. bis zum 20. Jahrhundert. Dabei ging er nicht nur auf technischeEntwicklungen ein, sondern auch auf die verschiedenen Funktionen, dieBestandteile von Öfen, Ofentypen, die Art der Flammenführung, volks-kundliche und archäologische Definitionen, die Entwicklung und den der-zeitigen Stand der Ofenforschung sowie die räumliche Verbreitung dereinzelnen Typen. Florian Eibl erläuterte seine Bemühungen um die Tapho-nomische Interpretation von gebrochenen Flächen anhand von mittelalter-licher Keramik aus Kehlheim. Im Anschluss an das Vortragsprogrammnutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, die beeindruckende Sammlungsiebenbürgischer Ofenkacheln des Emil Sigerus Museums anzuschauen.
Am nächsten Tag eröffnete Baron Ludwig Döry das Referatsprogrammmit einem Überblick über Sechs verschiedene Ofenkachel- Typen und ihreWanderung von West nach Ost. Das Thema bildete in gewisser Weise eineFortsetzung seiner bisherigen Arbeit über die Regionalität von Ofenkacheln,wurde aber von den rumänischen Kolleginnen und Kollegen nicht ganz ohneWiderspruch hingenommen. Aus Krankheitsgründen konnte Ilie Moise vonder Lucian Blaga Universität in Sibiu leider nicht anwesend sein. SeinReferat mit dem Titel Kacheln mit apotropäischer Funktion wurde von KarlaRoşka verlesen. Es behandelte vorwiegend die Darstellung von Tieren,Fabelwesen und auch Menschen auf Ofenkacheln aus Siebenbürgen. Da-nach stellte Petre Beşliu Munteanu vom Brukenthalmuseum in Sibiu Mit-