2006, Heft 4
Chronik der Volkskunde
459
tagetrends" vermehrt Beachtung finden. Die Mischung von Beiträgen des( fachinternen) ,, Nachwuchses" und der etablierten Fachvertreter sowie eineengagiert geführte Diskussion, die lediglich durch den Beginn eines Fuß-ballspiels( das das Gastgeberland der Tagung schließlich erfolgreich für sichentscheiden konnte) im Rahmen der Weltmeisterschaft ein rasches Endeerfuhr, führten die dynamische Entwicklung dieses Themas vor Augen undinspirieren zu einer intensiveren Auseinandersetzung.Peter Strasser/ Akemi Kaneshiro- Hauptmann
,, Kulturelles Erbe“ – Bizauer GesprächeBizau, 28. bis 30. September 2006
Im neunten Jahr ihres Bestandes widmeten sich die„, Bizauer Gespräche❝einem Thema, dem inzwischen Hochkonjunktur attestiert wird: dem„, kul-turellen Erbe“. Dem Tagungsthema lag dabei ein aktueller, regionaler Anlasszugrunde: Im Jänner 2006 wurde bei der UNESCO in Paris die Kandidaturder ,, Kulturlandschaft Bregenzerwald“ als Welterbe zur Begutachtung ein-gereicht. Diese Bewerbung zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstal-tung.
Den Eröffnungsvortrag am Donnerstagabend steuerte Charles E. Ritter-band bei. Der Österreich- Korrespondent der„, Neuen Zürcher Zeitung“präsentierte unter„ Kulturerbe und Menschheitstypen“ eine Aussensichtzum Umgang mit dem kulturellen Erbe in Österreich. Aus der Sicht desSchweizer, pragmatisch- orientierten Nachbarn präsentierte er auf humor-volle Weise seine Wahrnehmungen über den österreichischen( oder verstander darunter lediglich den wienerischen?) nostalgischen Blick nach rückwärtsin eine( offenbar) glorreiche Vergangenheit, die den Blick auf die Gegenwartund in die Zukunft überlagert.
Den Reigen der Vorträge am Freitag eröffnete Bernhard Tschofen( Tü-bingen). Sein Thema über ,, Warum schmeckt, Regionales'? Kulturwissen-schaftliche Notizen zum sogenanten kulinarischen Erbe" wies bereits aufden Schwerpunkt des Freitagsprogrammes hin, der beim immateriellenKulturerbe lag. Tschofen arbeitete zwei Bedingungen heraus, die für die,, regionale Küche“ unabdingbar sind: Erstens bedarf es der ,, Region“, dieals ,, vorgestellte Gemeinschaft“ einerseits eine räumliche Einheit, anderer-seits ein Repertoire an gemeinsamen Werten darstellt. Zweitens wird dieSchöpfung eines kulinarischen Erbes zur Bedingung, wobei die Herausbil-dung von Alleinstellungsmerkmalen auf Ex- und Inklusionsprozessen be-ruht. Käse aus den Talschaften Vorarlbergs, wie z.B. jener aus dem Grossen