Jahrgang 
109 (2006) / N.S. 60
Seite
453
Einzelbild herunterladen
 

Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LX/ 109, Wien 2006, 453-476

Chronik der Volkskunde

Prädikat ,, Heritage"- Wertschöpfungen auskulturellen Ressourcen

Internationale Nachwuchstagung,

Institut für Kulturanthropologie/ Europäische EthnologieGeorg- August- Universität Göttingen, 29. bis 30. Juni 2006Hochkonjunktur konstatierten die Organisatoren der Tagung vom GöttingerInstitut für Kulturanthropologie/ Europäische Ethnologie dem kulturellenErbe. Eine ,, Nachwuchstagung" sollte daher den von ihnen formuliertenAnspruch: Die aktuellen Diskurse und die vielfältigen Prozesse um dieEntstehung von kulturellem Erbe kritisch zu hinterfragen, umsetzen. 14Referent/ inn/ en sowie zahlreiche Diskutant/ inn/ en, unter ihnen eben auchder wissenschaftliche ,, Nachwuchs" des Faches, stellten sich dieser Heraus-forderung. Vorweggenommen sei: Die Tagung konnte die hohen Erwar-tungen erfüllen. Die Vorträge und Diskussionen gaben nicht nur den Trendbei der Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe wieder( der gegenwär-tig bei der Beschäftigung mit dem immateriellen Erbe liegt), sondern warfenauch neue Fragestellungen auf.

Die Breite des Themas und die Unschärfe des Begriffes ,, kulturellesErbe" kamen in den Vorträgen eindrücklich zum Ausdruck. Bemerkenswertwar das Interesse der Referent/ inn/ en an der jüngsten Entwicklung imBereich des ,, intangible heritage, zu dem die UNESCO mit einem neuenAbkommen zum Schutz des immateriellen Kulturerbes, das nur zwei Mo-nate zuvor in Kraft trat, beitrug( und für Diskussionsstoff sorgte bzw. nochsorgen wird).

Valdimar Hafstein( Reykjavik) gab in seinem Eröffnungsreferat:, Clai-ming Culture Intangible Heritage Inc., Folklore, Traditional Know-ledge bereits den Trend der Tagung vor. Ausgehend von ,, Simon&Garfunkel's" Musikhit ,, El Condor Pasa", der auf ein bolivianisches Liedzurückgeht, zeigte er immaterielles Kulturerbe als kulturelle Ressource auf:Die wirtschaftliche Instrumentalisierung des Erbes führte aber zu einerInstitutionalisierung und Internationalisierung des Schutzes immateriellerkultureller Äußerungen seit den frühen 1970er Jahren. Hafstein skizziertedie Entwicklung, die von der südlichen Hemisphäre ausging und sowohl vonder UNESCO als auch von der WIPO( World Intellectual Property Organi-