Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde109 (2006) / N.S. 60Schweiger, Tobias: Zur Repräsentation von „Landschaft“, „Kunst“ und „Volkskultur“ in Österreich-Bildbänden der Nachkriegszeit

  
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Zur Repräsentation von „Landschaft“, „Kunst“ und „Volkskultur“ in Österreich-Bildbänden der Nachkriegszeit
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2006, Heft 4

Österreich- Bildbände der Nachkriegszeit

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Auch in Theodor Müller- Alfelds, Österreich"-Band, erschienen1959, werden wie selbstverständlich gleich eingangs die, ver-schwenderische Fülle von landschaftlicher Schönheit und die ,, Man-nigfaltigkeit der Landschaftsformen angesprochen, die, so sinnge-mäß, über die Kleinheit des Landes hinwegtrösten könnten²; weiterunten wird Hugo von Hofmannsthal zitiert, der ,,, nach dem WesenÖsterreichs" gefragt ,,, den Blick auf die Landschaft[ richtet], derenSkala von der Erhabenheit des Hochgebirges bis zur Burgenromantikdes Mühl- und Waldviertels, von der Heiterkeit des Wiener Waldesbis zum fremdartigen und stillen Zauber der Puszta reicht❝27.

Die in den Texten so sehr betonte landschaftliche Vielfalt spiegeltsich auch in den Bildern wider. Nicht nur die für das österreichischeSelbstverständnis so wichtigen Berge28 sind bildlich repräsentiert,sondern auch Täler, Flusslandschaften, hügelige Gegenden, Ebenenoder der Neusiedler See. Das heißt allerdings nicht, dass nicht inner-halb dieser ,, Landschaftstypen bestimmte Gegenden als( entspre-chend bevorzugte) ,, Paradelandschaften dienen etwa die Wachau,der für gewöhnlich ungleich mehr Bilder gewidmet sind als anderenDonauabschnitten. Eine immer wieder zur Ansicht gebrachte( undgegenüber anderen landschaftlich vergleichbaren Gegenden überre-präsentierte) Gebirgs- und Seenlandschaft stellt zum Beispiel dasSalzkammergut dar; und ähnlich wie die Blicke auf Hallstatt oderTraunkirchen lässt sich auch die Ansicht des Ortes Heiligenblut mitdem Großglockner im Hintergrund jenen kanonisierten Perspektivenzuordnen, die in Österreich- Bildbänden beinahe ihren Fixplatz haben.

Kontinuitäten und Brüche

Dass die Karriere der meisten dieser Motive und Ansichten nicht erstnach 1945 begonnen hat, wurde schon angedeutet. Gerade die inÖsterreich- Bildbänden der Nachkriegszeit enthaltenen Landschafts-fotografien folgen in ihren Sujets und ihrer Ästhetik den Vorgabender früheren Heimatfotografie was sich natürlich zum Teil daraus

26 Müller- Alfeld, Theodor( Hg.): Österreich. Vom Bodensee zum Burgenland.Landschaften und Städte in 248 Photos. Darmstadt 1959, S. 5.

27 Müller- Alfeld( wie Anm. 26), S. 7.

28 Vgl. Tschofen, Bernhard: ,, Österreichs Alpen". Materialien zu Geschichte undGegenwart nationalisierter Landschaft. In: Historische Sozialkunde. Geschich-te- Fachdidaktik- Politische Bildung, Jg. 33, H. 3, 2003, S. 4–13.