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Tobias Schweiger
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ÖZV LX/ 109
Dass gerade in Österreich – und vor allem seit den Jahren nach demZusammenbruch der Habsburger- Monarchie. so bereitwillig aufLandschaft als regionale und nationale ,, Identitätsressource“ zurück-gegriffen wurde, hat nicht zuletzt mit den damaligen politischen undwirtschaftlichen Umständen zu tun. Zum einen eignete sich„ Land-schaft“ zur symbolischen Abhebung Österreichs gegenüber Deutsch-land, mit dem man sich zwar als ,, kulturell verbunden" empfand, dasaber realpolitisch nach dem Ersten Weltkrieg( Stichwort Saint Ger-main und Anschlussverbot) vom„, Rest Österreich" abgegrenzt war:Insbesondere die Alpen wurden zur ,, österreichischen Landschaft"schlechthin stilisiert, die das Land unverwechselbar machen solltezumindest für Deutsche( inklusive ehemalige„, Deutsch- Österrei-cher"). 16 Zum anderen war ,, Landschaft" seit Beginn des modernenTourismus das vielleicht größte Kapital des Landes: Die ,, schöneLandschaft“ wurde als Grund präsentiert, das Land zu bereisen- imSommer wie im Winter.17
Landschaft wurde zentrales Element in dem Bild, das man für die,, Fremden" entwarf- doch dieses Bild wurde auch bestimmend fürdie ,, Einheimischen“. Gerade am Beispiel der Fotografie, eines jenerMedien, durch die ,, Landschaft“ erst kommunizierbar wird, lässt sichzeigen, wie Tourismuswerbung und Identitätspolitik koinzidierten:,, Schöne Landschaften“ wurden in den 1920er und 1930er Jahrennicht nur zu touristischen Werbezwecken abgelichtet 18, sie boten
(= ifk materialien 3/95). Wien 1995, S. 34-47; Kos, Wolfgang: ImagereservoirLandschaft. Landschaftsmoden und ideologische Gemütslagen seit 1945. In:Sieder, Reinhard, Heinz Steinert, Emmerich Tálos( Hg.): Österreich 1945-1995.Gesellschaft, Politik, Kultur(= Österreichische Texte zur Gesellschaftskritik 60).Wien 1995, S. 599-624; Bruckmüller( wie Anm. 5).
16 Für ,, Nicht- Deutsche“ hingegen konnte der identitätsstiftende Rückgriff Öster-reichs auf die Alpen genauso gut Anlass bieten, Österreich mit der Schweiz zuverwechseln, die international noch viel mehr mit den Alpen identifiziert wurdeund wird. Zu den Bergen als„, Massensymbol“ der Schweizer vgl. Godenzi,Alberto: Wenn Berge zur letzten Referenz werden. In: Pattillo- Hess, John, MarioSmole( Hg.): Nationen. Wien 1994, S. 12–18.
17 Vgl. Woldrich, Thomas: Das schöne Austria. Tourismuswerbung für Österreichmittels Landschaft, Kultur und Menschen. In: Prutsch, Ursula, Manfred Lechner( Hg.): Das ist Österreich. Innensichten und Außensichten(= Veröffentlichungendes Ludwig Boltzmann Instituts für Gesellschafts- und Kulturgeschichte; Studienzur Gesellschafts- und Kulturgeschichte 11). Wien 1997, S. 37-59.
18 In der professionellen Fremdenverkehrswerbung wurden früh fotografische Ma-terialien eingesetzt, in Broschüren wie in werbenden Beiträgen in Zeitungen und