Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde109 (2006) / N.S. 60Schweiger, Tobias: Zur Repräsentation von „Landschaft“, „Kunst“ und „Volkskultur“ in Österreich-Bildbänden der Nachkriegszeit

  
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Zur Repräsentation von „Landschaft“, „Kunst“ und „Volkskultur“ in Österreich-Bildbänden der Nachkriegszeit
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Tobias Schweiger

ÖZV LX/ 109

leistete in den 1920er und 1930er Jahren die sogenannte ,, Heimatfo-tografie", die, von professionellen Fotografen wie auch von Amateu-rInnen betrieben ,,, ebenso wie die Volkskunde[...] von offiziellerchristlich- sozialer Seite dazu ausersehen[ war], ein neues, Österreich-bild' zu kreieren, visuelle Identifikationsmuster für ein österreich-spezifisches Selbstbewußtsein zu schaffen." 11 Die Hervorbringungendieser Heimatfotografie wurden in der Zwischenkriegszeit über Zeit-schriften und ,, vaterländische Bildbände popularisiert und konntensich im nationalen visuellen Gedächtnis verankern. Ihre Motive( undteilweise auch ihre Ästhetik) wurden von den neuen ,, Österreich-Konstrukteuren nach 1945 aufgegriffen, als es für Österreich erneut( und wohl mehr denn je) galt, ein eigenständiges nationales Profil zuentwickeln. Wie schon vor dem Krieg dienten wieder in erster LinieLandschaft, bedeutende( vor allem architektonische) Kunstwerkeund Versatzstücke österreichischer ,, Volkskultur der( bildlichen)nationalen Repräsentation und fanden abermals in Österreich- Bild-bände Eingang.

Diese Art unverdächtiger Sujets konnte auch am ehesten nationaleEinheit suggerieren, ohne dass man sich auf politische Kontroverseneinzulassen brauchte- ein Gedanke, der die meisten Österreich- Bild-bände zu prägen scheint: Gezeigt wird nur, was allgemein Zustim-mung findet, was generell als wertvolles nationales Eigentum( Landschaft, Kulturgut) durchgeht. Entsprechend zurückhaltend wa-ren auch die kommentierenden Texte: Man wolle, so meist der Tenor,nur zeigen, wie ,, schön Österreich sei und welche Kulturleistungenes hervorgebracht habe. Fragen, gar kritischer Art, wurden nichtgestellt, umstrittene Themen etwa solche der politischen Zeitge-schichte außer Acht gelassen. Die Bildbände sollten für eine mög-lichst breite LeserInnenschaft konsumierbar sein, für schwierige Aus-einandersetzungen oder Erörterungen schienen sie nicht der richtigeOrt. 12

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11 Faber, Monika: ,, Land und Leute( 1930-1936). In: Dies.( Hg.): Rudolf Koppitz1884-1936. Wien 1995, S. 106-125, hier S. 115.

12 Dies wird besonders dann evident, wenn die Bände wie so häufig( ohnehinzumeist nur kurze) Abrisse über österreichische Geschichte beinhalten. Dieseenden nämlich oft 1918/19( oder kurz danach), gerade die jüngere Geschichte( also die Geschichte der Faschismen) wird gerne ausgeblendet oder nur angedeu-tet. So findet etwa in dem Band ,, Österreich in Farben ,, der unselige Krieg"Erwähnung, genauere Hintergründe erfährt man jedoch nicht. Perkonig, JosefFriedrich: Wien- alte Stadt, grüne Stadt. In: Karfeld, Kurt Peter: Österreich in