2006, Heft 4
Österreich- Bildbände der Nachkriegszeit
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In diesem Beitrag soll eine Auswahl an Österreich- Bildbänden,die in den Jahren 1947 bis 1963 erschienen sind, aufgeblättert und diein ihnen präsentierten Themenbereiche Landschaft, Kunst und Volks-kultur analysiert werden – wobei diese Bildbände in ihrer ambivalen-ten Funktion als Nationalisierungs- und touristisches Werbe- Medi-um' gesehen werden. Nicht nur die genre- konstitutiven Bilder sollendabei in den Blick kommen, sondern auch die diese begleitenden bzw.eigene Buchteile bildenden Texte, die den Rahmen zur Interpretationder Bilder darstellen und eine Art Anleitung zu deren„, Lektüre❝bilden.8
Mit der Konzentration auf die Themenbereiche Landschaft, Kunstund Volkskultur folge ich der in den Bildbänden üblichen Schwer-punktsetzung, die sich teilweise bereits in den Titeln ankündigt. Ihrebevorzugte Darstellung hat Tradition: Bereits der deutsche VerlagKarl Robert Langewiesche, der in den ersten Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts den modernen Bildband und vor allem die moderneBildbandreihe wesentlich mitprägte, wies ihnen in seinen Produktio-nen die prominentesten Plätze zu, und andere Verlage folgten in ihrenBildbandreihen diesem Vorbild. Mit der thematischen Fixierung Lan-gewiesches und anderer deutscher Verlage auf ,, deutsche( volkstüm-liche) Kunst, Architektur und Landschaft“ entstand über die Jahre,, eine imaginäre nationale( Kultur-) Topographie" 10.
Auch in Österreich erwiesen sich Kunst, Landschaft und Volkskul-tur als nationale ,, Master- Narrative“. Deren bildliche Umsetzung
6 Ausführlicheres zur Thematik siehe bei Schweiger, Tobias: ,, Österreich in Wortund Bild". Zu Inhalten und Funktion von Österreich- Bildbänden der Nachkriegs-zeit. Dipl.- Arb. Wien 2005.
7 Die Funktion von Bildbänden als Fremdenverkehrswerbung ist bisweilen sehraugenscheinlich. Oftmals werden in den Textteilen die touristischen Qualitätendes Landes ganz besonders herausgestrichen; einige der hier untersuchten Bändeentstanden außerdem mit Unterstützung der Österreichischen Verkehrswerbung.8 Die für diese Untersuchung herangezogenen Bildbände bestehen zumeist auseinem einleitenden Textteil und einem anschließenden, vorwiegend aus( oftmalsganzseitigen) Fotoreproduktionen mitsamt dazugehörigen Bildlegenden beste-henden Hauptteil.- Eine Liste der von mir analysierten Bildbände befindet sichim Anhang.
9 Vgl. Starl( wie Anm. 3); Ponstingl, Michael: Die Bildbandreihen des VerlagesKarl Robert Langewiesche 1904-1960. Heimatschutz und Kunsterziehung. In:Faber, Monika, Klaus Albrecht Schröder( Hg.): Das Auge und der Apparat. DieFotosammlung der Albertina. Wien 2003, S. 201-240.
10 Ponstingl( wie Anm. 9), S. 206.