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Literatur der Volkskunde
ÖZV LX/ 109
und warum? Wieder stehen die Geschlechterrollen und deren Wandel zurDebatte, etwa das Schönheitsideal oder der Stellenwert des Berufs desMannes. Ein historisch vergleichender Blick auf die Heiratsanzeigen alsQuelle, zeigt diese als Indikator der veränderten Geschlechter- Bedin-gungen. Ute Gerhard präsentiert mit ,, Die Ehe als Geschlechter- und Gesell-schaftsvertrag. Zum Bedeutungswandel der Ehe im 19. und 20. Jahrhundert"eine Übersichtsstudie, die sich mit verschiedenen Positionen innerhalb derEhe und deren Widersprüchlichkeiten und inneren Widerständigkeiten aus-einandersetzt. Sie bespricht die Interventionen des Staates durch das Fami-lienrecht und aktuelle Trends auch im übernationalen Vergleich.
Die besondere Qualität des Sammelbandes besteht in der Unterfütterungder historischen angegangenen Themen mit Fallstudien, die oft sehr über-zeugend, gleichsam als geschichtliches Brennglas funktionieren und einestarke Anschaulichkeit bewirken. Die punktuelle und reflektierte Verwen-dung autobiographischer Quellen durch einzelne AutorInnen verdeutlichtzudem den historisch anthropologischen Ansatz, vor dessen Hintergrund dieBegriffe Liebe und Widerstand auf vielfältigste Weise beleuchtet werden.Einzig die schlechte Bindung des umfangreichen Buches trübt das Ver-gnügen lesender Erkenntnis.
L'ubica Herzanová, Maria- Luise Freithofnig
MARSCHIK, Matthias: Massen, Mentalitäten, Männlichkeit. Fußball-kulturen in Wien(= Enzyklopädie des Wiener Wissens, Bd. 1 Fußball).Wien, Verlag Bibliothek der Provinz edition Seidengasse, 2002, 158 Seiten,s/ w- Abb.
Schon der Titel ,, Massen, Mentalitäten, Männlichkeit" formuliert die fürMatthias Marschik zentralen Begriffe, welche anhand der ,, Fußballkulturenin Wien" diskutiert werden. Dieses Buch ist als erster Band in der Reihe,, Enzyklopädie des Wiener Wissens“ erschienen, und es stellt sich die Frage,ob denn Fußball so einen wichtigen Stellenwert in Wien einnimmt. Blicktman hier idealisiert zurück? Oder dokumentiert man etwas, das im Begriffist, verloren zu gehen? Diese Fragen erscheinen berechtigt, betrachtet manbereits das Beispiel im Vorwort, in dem der Autor auf die Situation desösterreichischen Nationalteams im Oktober 2002 verweist und versucht,diese mit vergangenen ,, glorreichen Zeiten“ zu verknüpfen:„[...] nachdemin den Jahren zuvor Sturm Graz, der FC Tirol und der GAK den österreichi-schen Fußballsport dominiert und damit auch das Gros der Nationalspielergestellt hatten, bedeutete der Beginn der Ära Krankl als Teamchef so etwas