2006, Heft 3
Literatur der Volkskunde
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Entstehung geführt haben,[...] auch ein[ en] Beitrag zum besseren gegensei-tigen Verstehen“ von Deutschen und Polen zu leisten( S. 16), wird Frede, sosehr dies auch zu wünschen wäre, nur bedingt gerecht werden können. Dennob solches mit der wissenschaftlichen, manchmal aber etwas unkritischenAnalyse eines( ,, deutschen“) Mediums, das nicht zuletzt der ,, Artikulationheimatpolitischer Deklarationen wie des, Rechts auf die Heimat und des, Unrechts der Vertreibung bzw. damit verbundener politischer Forde-rungen“( S. 231) dient, gelingen kann, ist fraglich.
Tobias Schweiger
HANN, Chris, Mihaly SARKANY, Peter SKALNIK( Hg.): Studyingpeoples in the people's democracies. Socialist era anthropology in EastCentral Europe. Münster, LIT- Verlag, 2005, 376 Seiten.
Der Tagungsband versammelt überarbeitete Beiträge der gleichnamigenKonferenz, die im November 2003 am Hallenser Max Planck Institut fürethnologische Forschung Kultur- und Sozialanthropologen aus Polen, Un-garn, Tschechoslowakei und der DDR zusammenbrachte. Im Ergebnis ist,wie die Herausgeber in ihrer Einleitung selbst schreiben, eine Collage vonErfahrungsberichten und sehr subjektiv gefärbten Einschätzungen der ost-europäischen Fachgeschichte von Gewährsleuten( ,, key informants", S. 1)einerseits und andererseits informativen, zum Teil penibel recherchiertenÜberblicken über die Entwicklung des Fachs in den genannten Ländern zurZeit des Sozialismus entstanden. Der einleitende Satz ,, We are anthropolo-gists, not historians“( S. 1) ist programmatisch zu verstehen.
Zwar räumen die Herausgeber ihre eigene Befangenheit bei der Auswahlder Gewährsleute ein und versäumen dies auch die einzelnen Autoren nichtbetreffs der Kennzeichnung ihrer jeweiligen Perspektiven, so bleibt notwen-digerweise eine lückenhafte Vorstellung der kulturanthropologischen For-schungsarbeit im Sozialismus zurück. Für die DDR- Ethnographie beispiels-weise kommen mehrheitlich Vertreter der universitären Volks- und Völker-kunde zu Wort. Volkskundler und Kulturhistoriker der Ostberliner Akademieder Wissenschaften müssen aus unerfindlichen Gründen ,, draußen bleiben“,obwohl die wichtige Rolle dieser Forschungsinstitution für alle sozialisti-schen Staaten Europas den Herausgebern hinreichend bekannt ist und in denanderen Texten durchaus zum Ausdruck kommt. Von den Spannungenzwischen Kulturhistorikern und Folkloristen innerhalb des Teilfachs Volks-kunde seit den 1960- er Jahren, die nicht nur aus den diskursiven Ausein-andersetzungen innerhalb dieser Scientific Community, sondern auch aus