2006, Heft 3
Literatur der Volkskunde
373
-
der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde publizierten Dissertation glei-chermaßen einem ,, Medium" und einer„, Quelle“ der Erinnerungskulturostdeutscher ,, Heimatvertriebener" zu: der Gattung so genannter ,, Heimat-bücher", unter die sich so Unterschiedliches wie Gedichtbände, Familien-chroniken, Bildbände, Kalender und Jahrbücher, die ein Bild der ,, Heimat"vermitteln wollen, subsumieren lässt. Das„, Heimatbuch“, so wie in dervorliegenden Arbeit definiert, verfolgt die„, Darstellung eines, Raumes[...] eines Dorfes, einer Stadt, einer Gemeinde, eines Kreisgebietes oderauch einer ganzen Region-, zu dem die Autoren, Herausgeber und Mitar-beiter[...] eine enge Beziehung haben“( S. 3). Mit derartigem Schrifttumverfolgen deren AutorInnen, im Falle der von Frede untersuchten Werke mitganz wenigen Ausnahmen Angehörige der Gruppe ,, Heimatvertriebener"oder deren Nachkommen, folgende Ziele: die Erinnerung an die verlorene,, Heimat" wach zu halten und deren„, kulturelles Erbe“ zu ,, fixieren“, aufdiese Art den betroffenen Heimatvertriebenen„ Hilfe zur Vergangenheits-und Lebensbewältigung“ zu leisten sowie auch außen stehenden Personen-gruppen ,, Kenntnisse über die verlorene Heimat“ zu vermitteln( S. 366).
Material der Untersuchung sind Heimatbücher aus den Jahren 1946 bis2001 über Orte in drei ausgewählten Landstrichen Schlesiens, nämlich derGrafschaft Glatz und den Kreisen Frankenstein und Waldenburg. 164 Werkedieses Genres hat die Autorin aus verschiedenen Bibliotheken und privatenSammlungen zusammengetragen. Eine quantitative Auswertung dieser Bü-cher hinsichtlich der beschriebenen Orte, der Publikationsdaten, AutorInnenund anderer an der Herstellung Beteiligter, aber auch hinsichtlich des,, Erscheinungsbildes der Bücher"( Aufmachung, Titel, Vorwort, inhaltlicherAufbau) bildet die Grundlage für die qualitative Analyse einer Auswahl von25 Ortsmonographien, welche deutlich umfangreicher ausfällt als erstere.Zwischen quantitative und qualitative Auswertung eingeschoben ist daslängste( und aufgrund zwangsläufiger Wiederholungen mitunter etwas müh-sam zu lesende) Kapitel, in dem die Autorin zehn Heimatbücher, derenInhalte und Entstehungsbedingungen detailliert vorstellt. Mit der Beschrei-bung dieser exemplarischen Werke soll der Leser mit verschiedenen ,, Ty-pen" von Heimatbüchern, die sich aufgrund der relativ weiten Definitiondes Genres zum Teil erheblich voneinander unterscheiden, bekannt gemachtwerden.
Im Kapitel zu den Ergebnissen der qualitativen Analyse wird genau aufdie Inhalte eingegangen, zunächst auf die Art der Geschichtsdarstellung:Welche Zeitspannen werden überhaupt gewählt, inwieweit wird Geschichteeiner Bewertung unterzogen, und wie wird sie argumentativ genutzt? Schle-sische Geschichte ist soviel wird deutlich in den Heimatbüchern als,, deutsche“ Geschichte geschrieben, womit der Anspruch der ,, Deutschen"
-