Jahrgang 
109 (2006) / N.S. 60
Seite
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2006, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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Hybridität, Kreolisierung, Entterritorialisierung etc. konstatiert, die auch andie Kulturwissenschaften neue Anforderungen im Bereich der multi- lokalenund multi- methodischen Feldforschung stellen. Zum anderen waren esgerade Ereignisse wie der 11. September, die die allzu optimistischeVorstellung von der Krise des Nationalstaates und[...] die euphorische Ideegesellschaftlicher und kultureller Landschaften mit entterritorialisiertembzw. transnationalem Charakter als bedenkenswert entpuppt und, derTerritorialität als Raumanspruch und daher auch als Prinzip der Ordnung( Ordnung) und Abgrenzung einmal mehr Sinn und Bedeutung verliehenhaben"( Giordano S. 126; vgl. auch Hannerz S. 64-65).

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich vermeintlicheSchwächen bestimmter Beiträge nur dort auftun werden, wo der Titel desBuches allzu wörtlich genommen wird, also streng fachliche enzyklopädi-sche Einträge erwartet und persönliche Danksagungen oder Anekdotischesals störend empfunden werden. Auch werden diejenigen enttäuscht sein, diedie Ergiebigkeit des ,, Hosentaschen- Formats" überschätzen: Eine Lektüreder Arbeiten von Ina- Maria Greverus kann dieses kleine Kompendium nichtersetzen. Wer einen Einstieg in den Greverusschen Kosmos bzw. in aktuellekulturwissenschaftliche Diskussionen sucht, ist hingegen mit diesem Büch-lein bestens bedient. Wer zudem vielleicht noch offen für eine ,, gekonnteCollage" ist oder die Studien der Jubilarin bereits kennt, wird sich übermanch neuen Ansatz, über Vielseitigkeit, Wissensauffrischungen und dievielen Möglichkeiten, auch zwischen den Zeilen zu lesen, freuen.

Max Leimstättner

BRUCKMÜLLER, Ernst, Ernst LANGTHALER, Josef REDL( Hg.):Agrargeschichte schreiben. Traditionen und Innovationen im internationa-len Vergleich(= Jahrbuch für Geschichte des ländlichen Raumes, Bd. 1),Innsbruck u.a., Studien- Verlag, 2004, 264 Seiten, graph. Darst.

Die österreichischen AgrarhistorikerInnen sind zu beneiden: Mit dem 2002als Ludwig- Boltzmann- Institut gegründeten, seit 2006 eigenständigen ,, In-stitut für Geschichte des ländlichen Raumes" in St. Pölten, an dem inzwi-schen einschließlich der über Drittmittel eingeworbenen Forscher nebendem Institutsleiter Ernst Bruckmüller sechs wissenschaftliche Mitarbeiterbeschäftigt sind¹, verfügt die agrarhistorische Forschung in Österreich seiteinigen Jahren über eine institutionelle Verankerung, von der man in

1( http://www.univie.ac.at/ruralhistory/schaufenster2.jpg: Stand: 19.7.2006)