2006, Heft 3
Chronik der Volkskunde
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Tracht tragen. Appenzell- Lötschental- überall
Ausstellung im Museum Appenzell( 10.6.2006 bis 14.1.2007) undim Lötschentaler Museum Kippel( 3.6. bis 31.10.2006). Katalogunter demselben Titel von Birgit Langenegger und ThomasAntonietti, Verlag hier und jetzt, Baden 2006
Hinter dem etwas unbeholfenen Titel verbirgt sich eine Doppelausstellungmit dazugehöriger Publikation, die als Projekt Pioniercharakter hat unddeshalb grundsätzliches Interesse verdient. Kollegiale Gespräche, eine stu-dentische Abschlussarbeit und ein von der Schweizer Kulturstiftung ProHelvetia veranstaltetes Seminar gaben den Anstoß. Letzterem lag die Ab-sicht zugrunde, nicht mehr einzelne kleine volkskundliche Museen, sondernvernetzte Projekte zu unterstützen. Statt immer neuen Museumsgründungenzuzuschauen, wollte man dazu ermutigen, den vertieften Austausch undvermehrte Zusammenarbeit zwischen bestehenden Institutionen zu pflegen.Da das Schwergewicht fast aller kulturgeschichtlicher Sammlungen imRegionalen oder gar Lokalen oder in einer sonst nicht vertretenen Spezialitätliegt, im für unverwechselbar Gehaltenen und als solchem Propagiertenalso, erfordert ein solches Ansinnen, selbst wenn es mit der Zusage finan-zieller Mittel verbunden wird, eine gedankliche Umstellung. Das je Beson-dere muss in einen übergreifenden, allgemeinen Zusammenhang gebrachtwerden, um durch den Vergleich neue Bedeutung zu bekommen. So selbst-verständlich dies für akademisch geschulte Kulturwissenschaftlerinnen undKulturwissenschaftler auch sein mag, so sehr droht dies im Alltag vieler( oftnebenamtlicher) Betreuerinnen und Betreuer kleiner Museen zurückzutre-ten angesichts lokaler Erwartungen und im Kampf um überregionale Auf-merksamkeit. Zudem ist man gewohnt( und gezwungen), allein zu entschei-den. Hier aber waren Diskussion und Teamarbeit, noch dazu über einebeträchtliche geographische Distanz hinweg, gefragt. Dass man in Appen-zell und Kippel dies wagte und sich für den großen Einsatz entschied,verdient allein schon Anerkennung. Dass sich der Aufwand lohnte für alle,dürfte aber auch heute schon feststehen.
Die veränderte Perspektive ist das eine, die Vergleichbarkeit der Thema-tik das zweite Problem. Hier bot sich das Tracht- Tragen fast von selbst an.Es ist in beiden Regionen lebendig und für die Identität bedeutsam, und eseignet sich für die museale Präsentation. Entsprechend verfügen beideMuseen auch über reichhaltige einschlägige Bestände, die allerdings- undhier zeigte sich ein drittes Problem – der Ergänzung durch Leihgaben vonPrivaten und von großen Museen bedurften, um historische Zusammenhän-ge und besondere Entwicklungen angemessen verdeutlichen zu können. So