2006, Heft 3
Mitteilungen
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Ansätzen in Berührung; er war es, der uns Problembewußtsein, Kritik derGrundbegriffe, Tübinger Schule usw. nahe brachte, und auch, daß Feldfor-schung nicht nur eine bloße Möglichkeit zur Materialbeschaffung sei, son-dern eine wichtige Gelegenheit, mit kulturellen Problemen und Nöten kon-frontiert zu werden, an deren Lösung die Volkskunde mitzuwirken habe. Eswar die Periode wachsenden Unmuts ob der gesellschaftlichen Absenz derGeisteswissenschaften, die Zeit, in der man sich fragte, wem Volkskundenütze, die Phase kollektiven( wenn auch fallweise nur vorübergehenden)Abschieds vom Volksleben.
Ich erinnere mich an ein Seminarreferat über das Volkslied, das mich zurFrage verleitete, wie man denn ,, Volkslied" definieren könne, was genau dassei. Die kurze Antwort des hörbar verstimmten Wolfram war: ,, Das spürtman eben..." Nun, wie viele andere spürte ich ,, das“ nicht- die Fähigkeit,, gestalthaften Sehens“, um nochmals auf Wolfram zu verweisen, war vielenunserer Generation entweder nicht gegeben oder unter dem auch diesbezüg-lich segensreichen Einfluß Fielhauers und anderer soziologieverdächtiger,, Neutöner"( O- Ton Wolfram) abhanden gekommen.
Doch zurück von den Lehrenden zu den Lernenden, zu oberwähnter,, unserer" Generation. 1968 war dem Institut eine zweite Assistentenstellegenehmigt worden, die Wolfram mit zwei halbbeschäftigten wissenschaft-lichen Hilfskräften besetzte: mit Gerhard Baumann( später Leiter der Förde-rungsstelle des Bundes für Erwachsenenbildung in Kärnten, danach Leiterder Kulturabteilung des Amtes der Kärntner Landesregierung) und FranzGrieshofer. Das ermöglichte Grieshofer den Einstieg in wissenschaftlichesArbeiten, die Teilnahme an einem von Jan Podolak, Universität Bratislava,in der Slowakei organisierten volkskundlichen Forschungsseminar für ältereStudierende und jüngere AbsolventInn/ en aus mittel- und ostmitteleuropäi-schen Ländern, das Verfassen der ersten Beiträge: über das ,, Ischler Berg-fest", erschienen als selbständiges Heft in Franz Kirnbauers Leobener Grü-nen Heften, sowie das ,, Antlaẞsingen in Traunkirchen“, veröffentlicht indem von Leopold Schmidt mitherausgegebenen Jahrbuch des Österreichi-schen Volksliedwerkes.
Die Tätigkeit im Institut brachte es auch mit sich, daß Grieshofer mitHelmut Fielhauer und etlichen Studienkolleg/ inn/ en 1969 zur Tagung derDeutschen Gesellschaft für Volkskunde nach Detmold fuhr. Danach ver-faßten und unterschrieben die Wiener Teilnehmer/ inn/ en ein mehrseitigeskritisches Papier, deutlich beeinflußt von den Vorfällen sowie den Vor-würfen an die ältere Volkskunde, die diese konfliktreiche Veranstaltunggeprägt hatten. Familiengründung und die damit verbundene Notwendigkeitdes Broterwerbs außerhalb der Volkskunde hatten mir eine Teilnahme un-möglich gemacht und daher auch meine Unterschrift auf besagtem Text