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Mitteilungen
ÖZV LX/ 109
dungen: Schmidt sprach damals unter anderem über Volksschauspiel undVolksfrömmigkeit, über Masken und Maskenforschung, über AltbäuerlicheMöbel und Hausgerät... Erst nach geraumer Zeit, ich gebe es gerne zu, habeich erkannt, daß diese Lehrveranstaltungen gleichfalls etwas mit Empirie zutun hatten, freilich mit nicht im„, Felde" erworbener, sondern im Umgangmit Sachen und Literatur. Klar wurde mir, wurde uns später auch, daßSchmidt und Wolfram durchaus gewisse Parallelen aufwiesen: beide hattenden volkskundlichen Grundbegriff Kontinuität in der Regel nicht mit einemFragezeichen versehen, beide brachten der Tübinger Schule Hermann Bau-singers nur wenig Sympathie entgegen, beide, wenngleich aus unterschied-lichen Gründen, schätzten die damals einsetzenden kritischen Forschungenzur jüngeren Fachgeschichte nicht...
Daẞ wir, um in unsere Studienzeit in der zweiten Hälfte der Sechziger-jahre zurückzukehren, unseren akademischen Lehrern doch recht neutralgegenübertraten, zeigt, daß wir, daß einige von uns mit Gewinn an Veranstal-tungen teilnahmen, auf die uns Leopold Schmidt aufmerksam machte- etwaauf die von seiner Schülerin Helene Grünn geleiteten Tagungen der Arbeits-gemeinschaft Volkskunde im Niederösterreichischen Bildungs- und Hei-matwerk. Schmidt, jünger als wir heute, für uns damals aber beinahe ,, uralt",saẞ mittags und abends, meist still vor sich hinlächelnd, im Kreise ältlicherBewunderer; wir waren uns nie ganz sicher, ob er sich nicht in unseremKreise wohler fühlen würde. Ein Vortrag von ihm war stets der Höhepunktder Veranstaltung; nicht nur durch seine damalige Arbeit an der ,, Volkskun-de von Niederösterreich" war der ,, Herr Professor" sozusagen der ,, Star" indiesem für uns doch etwas merkwürdigen Umfeld großteils volkskundlicherDilettanten.
Veranstaltungen des Vereins für Volkskunde in der Laudongasse zu besu-chen fiel uns dagegen schwer; Wolframs Lehrveranstaltungen fanden stetszwischen 17 und 19 Uhr statt- gerüchteweise bewußt auf Donnerstag undFreitag gelegt, um für Studierende die Vereinsvorträge zu blockieren. Daẞer dem Verein für Volkskunde als ,, Gegengewicht“ eine 1967 im Institutgegründete ,, Akademische Arbeitsgemeinschaft für Volkskunde" gegen-überstellte, sei hier nur am Rande und wegen der nicht gerade glücklichenNamenswahl erwähnt: eine Arbeitsgemeinschaft dieses Namens hatte es ander Universität bereits in den 1930er Jahren gegeben, ganz wesentlichmitgestaltet von- Leopold Schmidt.
Fehlt bei der Nennung unserer akademischen Bezugspersonen nur nocheiner: Helmut Paul Fielhauer, seit 1963 und damals immer noch einzigerAssistent Wolframs, dessen fachlicher Einfluß auf Fielhauers Denken undArbeiten in dieser Zeit bereits spürbar abnahm. Durch ihn, Freund undLehrer zugleich, kamen wir mit neuen kultur- und sozialwissenschaftlichen